Studie zur Verfolgung Homosexueller

Die Schicksale Homosexueller während der Nazi-Diktatur und in der Nachkriegszeit sind bis heute nicht aufgearbeitet. "Sie waren bisher weitgehend ein blinder Fleck in der Forschung", sagte gestern der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Präsentation des Buches "NS-Opfer unter Vorbehalt. Homosexuelle Männer in Berlin nach 1945". Mit dem Buch (25,90 Euro) schließe sich diese Lücke wenigstens ein wenig.

Hintergrund für die Forschungen, deren Ergebnisse jetzt im Landesarchiv am Eichborndamm veröffentlicht wurden, war die Übernahme des Homosexuellenstrafrechts aus der NS-Zeit in die Rechtsprechung der Bundesrepublik. Nachdem die Nazis 1935 das Strafrecht gegen die Minderheit verschärft hatten, wurde diese Gesetzgebung erst 1969 geändert. Bis zu diesem Zeitpunkt stand Homosexualität unter Strafe.

Anhand von Berliner Einzelschicksalen hat Andreas Pretzel, der Herausgeber der Studie, gemeinsam mit anderen Autoren die Folgen dieses unveränderten Strafrechts aufgezeigt. "Selbst Homosexuellen, die aufgrund ihrer politischen Aktivität in Konzentrationslager mussten, wurde der Status "Opfer des Faschismus' verweigert, weil sie vorbestraft waren." Die Folge: Sie wurden weder für ihre Leiden entschädigt noch rehabilitiert.

bel