Bahn verlegt Berliner Güter-Frachtzentrum nach Großbeeren

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Guido Hartmann und Peter Oldenburger

Der größte Berliner Umschlagplatz für Schienengüter an der Heidestraße in Moabit soll spätestens in einem Jahr stillgelegt werden. Wie eine Vertreterin der Bahn-Frachttochter DB Cargo mitteilte, sollen sämtliche Kapazitäten des so genannten Hamburg und Lehrter Güterbahnhofs (HUL) nördlich des neuen Lehrter Bahnhofs ins Güterverkehrszentrum Großbeeren südlich von Berlin verlagert werden.

Der Neuköllner CDU-Abgeordnete Alexander Kaczmarek befürchtet in diesem Fall den "totalen Verkehrskollaps" auf der bereits überlasteten Bundesstraße 101, die bislang ebenso wenig wie die B 96 ausgebaut ist. Es könne nicht sein, dass das gewaltige Frachtgut-Aufkommen künftig per Lkw durch die südlichen Bezirke gekarrt werde. Nur ein täglicher Komplettzug bedeute hochgerechnet jährlich 9000 zusätzliche Lkw-Verteilfahrten.

Verkehrsexperte Norbert Kopp von der Steglitzer CDU sagt: "Damit wächst der Druck, den neu als Hauptverbindung ausgewiesenen Straßenzug Malteser-, Paul-Schneider-, Siemens- und Halskestraße auszubauen, mit allen negativen Folgen für die Anwohner."

Die zuständige Verkehrsverwaltung sieht jedoch keine Handhabe gegen die Pläne der Bahn. "Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung, die im Übrigen seit längerem geplant ist", sagte eine Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Der Senat sähe es jedoch lieber, wenn sich die Bahn an einem "trimonalen Umschlagzentrum" im Westhafen beteiligen würde, wo Schienen, Wasserwege und Straßen zusammenlaufen.

Als "zu kurzsichtig" hatte bereits die Industrie- und Handelskammer (IHK) die Senatsentscheidung vom 3. Juni kritisiert, die Neubautrasse der B 101 durch Lankwitz zu streichen. Sie plädiert weiter für den Ausbau, nicht nur von der Landesgrenze bis zum Diedersdorfer Weg, sondern durch Lankwitz über Malteserstraße und Munsterdamm. Die Kosten für einen ebenerdigen Ausbau wurden auf 28,6 Millionen Euro geschätzt, die Tunnelvariante mit Unterquerung von Alt-Lankwitz und Teltowkanal dagegen auf 143,7 Millionen Euro.