Prozess

Kinski-Akte: Vorwürfe gegen Datenschützer

Der Streit um die Veröffentlichung der Krankenakte Klaus Kinski geht in die nächste Runde.

Der Anwalt der Witwe Kinskis wirft Berlins oberstem Datenschützer Alexander Dix "Versagen" vor. Der Aachener Archivwissenschaftler Klaus Graf kritisiert, dass das Berliner Landesarchiv "archivrechtliches Basiswissen" vermissen lasse. Demnach sei eindeutig, dass eine Veröffentlichung der Krankenakte frühestens 2010 möglich sei.

Der Krankenhauskonzern Vivantes hatte am 21. Juli zahlreiche Krankenakten vor allem aus der NS-Zeit an das Landesarchiv übergeben. Darunter befand sich auch die Akte des Schauspielers Klaus Kinski, der sich 1950 drei Tage lang in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik aufgehalten hatte. Anlässlich der Übergabe der Akten machte das Landesarchiv Kinskis Krankenakte öffentlich. Daraufhin hatte die Witwe des Schauspielers, Minhoi Loanic, Strafanzeige gegen alle Beteiligten gestellt. Ihre Berliner Anwälte Ferdinand von Schirach und Christian Noll sehen die ärztliche Schweigepflicht verletzt.

In einem Interview der Morgenpost hatte Datenschutzbeauftragter Alexander Dix die Veröffentlichung der Krankenakte verteidigt. Diese Ansicht ist nach Meinung des Aachener Archivwissenschaftlers Klaus Graf eindeutig falsch. "Nimmt man die Akte Kinski zur Hand, kann man nur den Kopf schütteln, in welchem Ausmaß die Kollegen vom Landesarchiv Berlin mit der Herausgabe der Kinski-Akte Porzellan zerschlagen haben", sagt Graf. Da die Krankenakte aus dem Jahr 1950 stamme, hätte sie - ohne Sperrfristverkürzung - frühestens sechzig Jahre später, also 2010 vorgelegt werden dürfen", sagt der Wissenschaftler weiter.

Die Anwälte der Kinski-Witwe werfen Dix und dem Landesarchiv nun Versagen vor. "Der Datenschützer hat in seiner Aufgabe, die Daten der Bürger zu schützen, grundlegend versagt", heißt es in einer Erklärung von Schirachs und Nolls. Außerdem wirft von Schirach Dix vor, seine Aufgaben als Datenschützer zu vernachlässigen. "Mich irritiert, dass Dix seine Hand zum Aufweichen des Arztgeheimnisses und zur Preisgabe sensibelster Daten zugunsten einer sensationslüsternen Berichterstattung reicht", sagte von Schirach gestern. "Das kann nicht Aufgabe eines Datenschützers sein."

Seiner "fehlerhaften Annahme" liege "wahlweise ein Rechts- oder ein Rechenfehler" zugrunde. In Deutschland gingen Archivare grundsätzlich mit personenbezogenen Akten "sensibel und zurückhaltend" um, betonen die Anwälte. Nach dem Strafantrag der Anwälte bleibt die Kinski-Akte im Archiv erst einmal unter Verschluss. Bis zum Abschluss der Ermittlungen darf sie niemand mehr einsehen.