Charité

IG Bau: Arbeit ohne Mundschutz im OP

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat gestern ihre schweren Vorwürfe gegen die Charité-Tochter CFM (Charité Facility Management GmbH) unter der Überschrift "Putzkräfte als Wegwerfartikel behandelt" präzisiert. So sollen nach Angaben der IG Bau die meisten der von der CFM eingesetzten Reinigungskräfte ohne Impfschutz und vorausgehende Untersuchung arbeiten.

Zudem würden die Putzkräfte unzureichend über die Risiken und Gefahren sowie ihre Aufgabe im Klinikbereich der großen Charité-Standorte in Mitte, Steglitz (Benjamin-Franklin) und Wedding (Rudolf-Virchow) aufgeklärt.

"Es sind Zustände, die zum Himmel schreien", sagte der IG-Bau-Branchensekretär für Gebäudereinigung, Mirko Hawighorst, gestern. Die Situation bei der CFM und damit an der Charité sei ein "Skandal". "Die Putzkräfte, die zum Großteil kaum Deutsch verstehen, erhalten eine Turboeinweisung und werden dann ins kalte Wasser geschmissen", sagte Hawighorst. In hochsensiblen Bereichen wie Operationssälen würden sie ohne Mundschutz arbeiten. Sie seien ungeschützt Körperflüssigkeiten, -ausscheidungen und -gewebe ausgesetzt, müssten mangels fehlender Pausenräume in Putzkammern neben giftigen Reinigern essen und kämen mit infektiösen Patienten in Berührung. Nach Angaben der IG Bau belegen interne Listen der CFM, dass auf dem Virchow-Campus von 54 CFM-Putzkräften nur acht, in Mitte von 200 Mitarbeitern nur 141 und im Benjamin-Franklin von 258 nur 25 geimpft seien. Überdies wirft die Gewerkschaft der CFM vor, nach dem Prinzip "Hire and Fire" zu arbeiten. So würde es in der Regel nur Halbjahresverträge geben, die nur bei Wohlverhalten auf maximal zwei Jahre verlängert würden. "Es werden immer neue Arbeitskräfte geholt, weil das von den Arbeitsagenturen finanziell gefördert wird", sagte Hannes Rosenbaum, Regionalleiter der IG Bau für Berlin und Brandenburg. Zudem wäre das Arbeitspensum in der Arbeitszeit nicht zu schaffen, so dass trotz Mindestlohn von 8,15 Euro durch die Hintertür Lohndumping betrieben werde.

IG-Bau spricht von Lohndumping

Der amtierende Sprecher der CFM, Matthias Koch, wies den Begriff des "Hire and Fire" zurück, sagte aber, dass die CFM im Einverständnis mit dem Senat gegründet worden sei, um Geld einzusparen. "Zu günstigen Konditionen werden Arbeitskräfte eingekauft. Das ist die Wahrheit." Die Vorwürfe zu fehlendem Impfschutz und unzureichender Einweisung weist die CFM als falsch zurück. Von den 748 Reinigungskräften der CFM seien 605 Mitarbeitern und damit 81 Prozent vom Arbeitsmedizinischen Dienst der Charité untersucht worden, heißt es in einer Mitteilung.

Die "überwiegende Zahl der Mitarbeiter" sei gegen Hepatitis B geimpft. Die Kosten - vermutlich 130 000 Euro in diesem Jahr - trage die CFM, heißt es weiter. "Grundsätzlich aber müssen nur diejenigen untersucht werden, die in hochsensiblen Bereichen wie in OPs und Intensivstationen putzen", sagte Koch dieser Zeitung. Dieser Gruppe würde der Impfschutz bei fehlender Immunisierung angeboten. Koch bezifferte die Anzahl dieser Gruppe mit "gut 100".

In der Mitteilung der CFM heißt es, dass diese 108 Mitarbeiter über die notwendigen Impfungen verfügen. Bisher sei es zu keinerlei Infektionen gekommen, habe auch zu keiner Zeit eine Gefahr für die Patienten bestanden. Auch würden "alle CFM-Mitarbeiter bei ihrer Einstellung zu Hygiene, Hautschutz, Desinfektionsschutz und Arbeitsschutz unterwiesen". Auch die Charité wies die Vorwürfe zurück. Die Praxis der Kurzzeitverträge wollte die Charité-Sprecherin aber nicht kommentieren. Der ärztliche Direktor, Ulrich Frei, hatte bereits zuvor betont: "Es besteht keine erhöhte Infektionsgefahr für Patienten oder Mitarbeiter an der Charité."