Die importierte Kriminalität - Arabische Großfamilien

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Dirk Banse und Rüdiger Finke

Seit Jahren beherrschen einige arabische Großfamilien den Drogen- und Waffenhandel, die Zuhälterei und die Schutzgelderpressung in Berlin. Ein Streit zwischen zwei Sippen wurde dem 37 Jahre alten Beamten des Spezialeinsatzkommandos zum Verhängnis, als er ein Mitglied eines Clans verhaften wollte und durch einen Schuss tödlich getroffen wurde.

Aus politischen Gründen wurde die Problematik der kriminellen Großfamilien lange Zeit verdrängt und nicht öffentlich diskutiert. Der Berliner Kriminaloberrat Markus Henninger brachte das Thema unlängst mit einem Beitrag für die Fachzeitschrift "Kriminalistik" in die Öffentlichkeit und bezeichnete die von arabischen Großfamilien begangenen Straftaten als "importierte Kriminalität".

Laut Henninger war eine Abschiebung dieser Täter lange Zeit unmöglich, weil diese unter Angabe von falschen Personalien behaupteten, aus dem Libanon eingereist und staatenlos zu sein. "Uns ist es jetzt jedoch gelungen, in zahlreichen Fällen die wahre Identität dieser Leute zu ermitteln. Das Überraschende ist, dass viele von ihnen tatsächlich eine türkische Identität haben und deshalb eigentlich in die Türkei abgeschoben werden könnten. Das gestaltet sich aber äußerst schwierig", erklärte Henninger. Wie Beamte der Ermittlungsgruppen "Araber" und "Identität" herausfanden, kommen viele der Täter aus der türkischen Region Mhallamiye, in der mehr arabisch als türkisch gesprochen wird. Viele reisten über den Libanon nach Deutschland ein und erklärten, dass sie aus dem Libanon stammen und ihre Pässe verloren hätten. Da dort ebenfalls arabisch gesprochen wird, fielen diese Lügen nicht auf. Inzwischen wurden vielfach die wahren Identitäten aufgedeckt, doch eine Rückführung der Täter in ihre Heimatländer gestaltet sich schwierig. Der Libanon und die Türkei sperren sich gegen die Aufnahme der Kriminellen.

Die Liste der Straftaten dieser Leute ist lang. Vor allem in der Türsteher-Szene waren und sind arabische Großfamilien aktiv. Erst der vor zwei Jahren gegründeten Sondergruppe "Türsteher" ist es gelungen, die Kriminalität einzudämmen. Bis Ende des vergangenen Jahres wurden 119 Schwerstkriminelle festgenommen, 52 von ihnen verhaftet und zu insgesamt 146 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Höchststrafe in einem Fall beträgt sieben Jahre Haft. Die Arbeit der Sondergruppe beim Landeskriminalamt hat bereits zu 233 Durchsuchungen geführt, bei denen 28 scharfe Schusswaffen und neun Handgranaten sichergestellt wurden. Diese intensiven Ermittlungen sprechen sich in der Szene herum und verunsichern die Kriminellen, die deshalb die Polizei scheuen.