Irak-Krieg 1991: Wie Berlin reagierte

Als in den frühen Morgenstunden des 17. Januar 1991 der Krieg um die Befreiung Kuwaits losbrach, schien auch Berlin unter Schock zu stehen. Die Aufregung war beträchtlich in einer Stadt, die noch ganz offensichtlich unter dem nachhaltigen Eindruck der Wiedervereinigung stand.

So mischten sich rituelle Protestformen des Westens mit Demonstrationen in den östlichen Stadtteilen. Bei einer vom DGB veranstalteten Demonstration, zu der 30 000 Menschen gekommen waren, marschierte auch der vertraute Schwarze Block mit und sorgte für erheblich Verwüstungen. Zahlreiche Schaufensterscheiben des KaDeWe gingen ebenso zu Bruch wie die weiterer Geschäfte.

Andere Kundgebungen blieben jedoch friedlich. Schüler gingen genauso auf die Straße wie Studenten und Professoren der Humboldt-Universität. Spontan wurde auf der Höhe des Rathenauplatzes die Stadtautobahn blockiert. Irakische Studenten versammelten sich in Teestuben und Cafés und versuchten, über ihre Transistorradios Nachrichten aus ihrer Heimat zu empfangen.

Auf der Demonstration vor dem Brandenburger Tor sprach auch der Noch-Regierende Walter Momper. Es wurde für ihn kein schöner Auftritt. Erst kam es zu lautstarken Pfiffen aus dem Publikum, dann wurde das Mikrofonkabel durchtrennt. Momper musste seine Rede abbrechen.

Es schien, als ob sich Berlin, das seinen Standort zwischen Vergangenheit und Zukunft noch längst nicht gefunden hatte, besonders sensibilisiert zeigte und sich an allen Ecken und Enden in erhöhter Aufregung befand. Fast kochte ein wenig von der zwischen Furcht und Durchhaltewillen gekennzeichneten Stimmung des Kalten Krieges wieder hoch.

Besorgte Bürger fragten beim Senat nach, ob noch genug Brennstoff für die Strom- und Heizkraftwerke vorrätig sei. Auch das Problem, ob bei einem Atomwaffeneinsatz im Kriegsgebiet mit einem kontaminierten Niederschlag in Berlin zu rechnen sei, wurde aufgeworfen. Am Sorgentelefon, das von der Verwaltung geschaltet worden war, reagierte man leicht gereizt auf die etwas weit hergeholten Anfragen.

Nervosität allenthalben. In Tegel ging man dazu über, jedes Gepäckstück akribisch mit der Hand zu durchzusuchen. Vorsorglich stellte die John-F.-Kennedy-Schule ihren Betrieb weitgehend ein. Die in Zehlendorf noch einquartierten amerikanischen Streitkräfte verbarrikadierten sich regelrecht. "Gespannte Stimmung bei den Alliierten", meldete die "Morgenpost". Zufahrten wurden mit quer gestellten Lastwagen versperrt, Geländewagen bezogen Position. Auch bei den Engländern und Franzosen war erhöhte Wachsamkeit zu beobachten.