Kriminalität

Experte: Graffiti in Berlin am schlimmsten

Nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist der Vandalismus in öffentlichen Verkehrsmitteln im Bundesvergleich in Berlin am schlimmsten. In den hauptstädtischen Nahverkehrszügen gebe es mit Graffiti-Schmierereien und zerkratzten Scheiben die "größten Probleme", sagte VDV-Experte Hartmut Reinberg-Schüller.

Beim Vandalismus im Nahverkehr sei ein Nord-Süd-Gefälle festzustellen. Im Norden Deutschlands und im Ruhrgebiet werde nach Berlin "von den meist jugendlichen Tätern relativ viel beschmiert", sagte er. In den Zügen und Bahnen in Baden-Württemberg und Bayern gebe es solche Schäden im Vergleich selten.

Wie berichtet, haben die beiden großen Berliner Nahverkehrsunternehmen BVG und S-Bahn im Vorjahr rund 14,5 Millionen Euro für die Beseitigung von Graffiti und Sachbeschädigungen ausgeben. Allein die BVG musste 2007 für saubere Omnibusse, Straßenbahnen und U-Bahnen insgesamt 8,9 Millionen Euro aufwenden. Besonders betroffen von Graffiti-Attacken sind die 170 Berliner U-Bahnhöfe.

Der CDU-Abgeordnete Matthias Brauner hat deshalb den Einbau von Zugangskontrollen nach Pariser und Londoner Vorbild gefordert. Dies wurde von der BVG erneut abgelehnt. "Unter Sicherheitsaspekten sind offene Systeme wie hier in Berlin klar in Vorteil", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Bei Bränden oder Havarien müssten die Fahrgäste Bahnhöfe und Züge in kürzester Zeit verlassen können. Schranken wie in der Pariser Métro könnten die Evakuierung behindern. Für Reetz ist der zunehmende Vandalismus in den Verkehrsmitteln und Bahnhöfen "kein Problem, das allein die BVG angeht, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem."

Mit gezielten Maßnahmen will die BVG versuchen, das Graffiti-Problem speziell in den U-Bahnhöfen in den Griff zu bekommen. "Wichtigstes Mittel ist eine möglichst rasche Beseitigung der Schmierereien, um den Tätern das Erfolgserlebnis zu nehmen." Zudem würden mehr private Sicherheitskräfte eingesetzt. Bis Jahresende sollen auf den Bahnhöfen zusätzlich 500 sogenannte Mobilitätshelfer zum Einsatz kommen. Die Hauptaufgabe der mit einem Handy, aber keinerlei rechtlichen Befugnissen ausgestatteten Mitarbeiter sei aber, die Fahrgäste zu informieren und ihnen zu helfen.

Reetz räumte ein, dass die Videoüberwachung der Bahnhöfe im Kampf gegen Graffiti bisher wirkungslos war. So wurden zwar seit Anfang des Jahres von der Polizei insgesamt 145 Aufzeichnungen ausgewertet, doch in keinem Fall konnte ein Täter ermittelt werden. Die BVG-Sprecherin hält die Videoüberwachung dennoch weiterhin für gerechtfertigt: "Diese leistet einen großen Beitrag bei der Gewalt-Prävention und bei der Aufklärung von Straftaten gegen unsere Fahrgäste."