Weinrich-Prozess: Spott vom Terroristen

Johannes Weinrich steht in Berlin zum zweiten Mal vor Gericht. Seit gestern muss er sich wegen sechs weiteren Terroranschlägen verantworten. Er versuchte, das Gericht zu verspotten. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht.

"Keine Fotos", sagt Verteidiger Rainer Elfferding. "Wir sind hier keine Showstars." Mit "wir" meint er sich und seinen wegen sechsfachen Mordes angeklagten Mandanten Johannes Weinrich. Der führt sich im Saal 700 des Moabiter Kriminalgerichts dann aber doch recht kapriziös auf. "Nein, ich bin ein Doppelgänger", beantwortet er die obligatorische Frage des Richters Ralph Ehestädt, ob er der Angeklagte Weinrich sei. Ähnlich endet die Frage nach seinem Beruf: "Schreiben Sie Gefangener."

Es ist Weinrichs zweiter Prozess in Sachen Terrorismus. Diesmal geht es um Anschläge zwischen 1975 und 1983 auf ein israelisches Passagierflugzeug, auf den Sender "Radio Freies Europa", auf den saudi-arabischen Botschafter in Athen und um Attentate in Paris, Marseille und in einem Hochgeschwindigkeitszug. Weinrich soll dabei innerhalb einer "international agierenden terroristisch-kriminellen Bande hauptverantwortlich für die Planung und Durchführung" gewesen sein.

Ob er zu diesen Vorwürfen etwas sagen wolle, fragt Richter Ehestädt. Weinrich steht auf, beugt sich zum Mikrofon und erklärt: "Ich äußere mich nicht." So hatte es der 54-Jährige schon während der fast vier Jahre währenden Beweisaufnahme seines Prozesses um das Attentat auf das französische Kulturzentrum Maison de France gehalten. Im selben Saal, am selben Platz hinter schusssicheren Scheiben. Sogar sein Aussehen - das kurz geschorene Haar, das Jackett, der Schal - erinnern an diesen Prozess, der am 17. Januar 2000 mit "Lebenslänglich" endete.

Das zweite Verfahren wird vermutlich länger dauern. Und so weiß die Nebenklägerin Maria Pulda auch "noch nicht genau", wann sie wieder nach Berlin kommen wird. Der 62-jährigen Journalistin geht es vor allem um den Anschlag auf den Sender "Radio Freies Europa". Ihr Gesicht ist seit jenem 21. Februar 1981 für immer entstellt. Natürlich sei Weinrich längst verurteilt, sagt sie. Es sei "trotzdem wohltuend", dass auch diese Anschläge verhandelt würden. "Wohltuend für Opfer und Angehörige."