Extremismus

Etabliert sich rechte Stiftung in Zehlendorf?

Entsteht in einem Zehlendorfer Villenviertel eine zentrale Verbindungsstelle des internationalen Rechtsextremismus? Mit dieser Frage befassen sich derzeit Sicherheitsbehörden des Bundes und des Landes, seit durch einen Medienbericht bekannt wurde, dass ein schwedischer Rechtsextremist im Berliner Südwesten eine Villa erworben hat. Der Käufer Patrik Brinkmann, ein Unternehmer, sei aufgrund zahlreicher internationaler Aktivitäten schon seit Langem bekannt, sagte gestern ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Brinkmann hat 2004 in seiner Heimat eine Stiftung ins Leben gerufen, die schnell zu einem beliebten Treffpunkt von Rechtsradikalen aus ganz Europa wurde. Über diese Stiftung steht er in regelmäßigem Kontakt zu maßgeblichen Vertretern der deutschen Neonazi-Szene. Dazu gehören die NPD-Funktionäre Thorsten Heise und Andreas Molau sowie die Rechtsanwälte Manfred Roeder und Jürgen Rieger. Molau und Rieger versuchten in der Vergangenheit mehrfach, Immobilien zum Aufbau nationaler Schulungszentren zu erwerben, unter anderem auch im brandenburgischen Rauen.

Patrik Brinkmann hat die Zehlendorfer Villa nach einem Bericht von "Spiegel online" bereits im vergangenen Jahr für 3,3 Millionen Euro erworben, angeblich als Bevollmächtigter seiner russischen Ehefrau Svetlana. Nach Angaben Brinkmanns handelt es sich dabei um einen "rein privaten" Kauf.

Die Sicherheitsbehörden hat das Auftreten der Russin allerdings alarmiert. Sie registrieren seit Längerem eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Rechten. So stehen die Brinkmann-Freunde Rieger und Heise im engen Kontakt zu einer obskuren Vereinigung namens "Deutsch-Russische Friedensbewegung Europäischen Geistes" mit Sitz in Arnstadt (Thüringen).

Der Berliner Verfassungsschutz warnte gestern vor einer Überbewertung des Falles. Der Vorgang sei bekannt und werde genau bewertet, sagte Verfassungsschutz-Sprecherin Isabelle Kalbitzer. "Es gilt zunächst einmal abzuwarten, ob überhaupt in dem Objekt ein Stiftungsort entstehen soll und Aktivitäten geplant sind", so die Sprecherin.