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McDonald's setzt auf Multikulti in Kreuzberg

Für hungrige Gäste war gestern Mittag kaum Platz in der Kreuzberger McDonald's-Filiale. Dafür drängten sich wieder einmal Fotografen, Kameraleute und Reporter vor dem Tresen.

Diesmal allerdings nicht, weil das Schnellrestaurant mit Farbbeuteln und Steinen attackiert worden war. Stattdessen hatte sich hoher Besuch angekündigt: Maria Böhmer (CDU), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, wollte sich in der Filiale ein Bild von der Zusammenarbeit verschiedener Nationalitäten machen.

In den rund 1300 McDonald's-Restaurants in Deutschland arbeiten Menschen aus 120 Nationen, viele von ihnen auch im Restaurantmanagement. Die Integrationsbeauftragte lobte, dass McDonald's seine Mitarbeiter bei der Entfaltung individueller Fähigkeiten fördere und ihnen berufliche Perspektiven biete, unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe und Geschlecht. Fröhlich plauderte die Integrationsbeauftragte mit den Auszubildenden Ardita (20) aus dem Kosovo und Selim (25) aus der Türkei. Die Unternehmenskultur sei frei von Vorurteilen und Ausgrenzung, stellte sie dann fest. Allein in der McDonald's-Filiale im Wrangelkiez arbeiten sechs Nationalitäten täglich miteinander. "Multikulti eben", sagt Zären Manschikow, Berliner Gebietsleiter der Fast-Food-Kette. "Wir haben uns da dem Kiez angepasst."

Aber McDonald's hat in Kreuzberg nicht nur Freunde. Schon in der Bauphase waren Steine und Farbbeutel auf das Gebäude geflogen, bis schließlich rund um die Uhr ein privater Sicherheitsdienst engagiert wurde. Im Wrangelkiez formierte sich die Bürgerinitiative "McWiderstand". Die befürchtete, dass die Schüler aus den benachbarten Schulen in den Pausen immer zu McDonald's gehen würden. Außerdem machten sie sich Sorgen um den Müll und die Geruchsbelästigung im Kiez. Rund 7000 Unterschriften sammelten sie nach eigenen Angaben gegen die Fast-Food-Filiale - zu wenige. Das Restaurant eröffnete im September vergangenen Jahres.

Und schon kurz danach eskalierte der Kampf Bürger gegen Burger. Drei Männer und eine Frau bewarfen das gelbe McDonlad's-Logo mit Kastanien, danach suchten sie nach Steinen als Wurfgeschosse. Polizisten nahmen sie fest, es kam zu einem Gerangel. Einige Zeit später flogen auch einmal Farbbeutel, und eine Scheibe ging zu Bruch.

"Das ist für uns nichts Besonderes", sagt Zären Manschikow. Sie seien daran gewöhnt, dass neue Filialen häufig erst einmal abgelehnt würden. "Eine Scheibe kann da schon mal kaputtgehen", sagte er. Mittlerweile laufe es aber gut bei McDonald's in Kreuzberg. "Unser Publikum ist ganz bunt gemischt", sagt Manschikow. "Familien aus dem Kiez, Schüler aus der Nachbarschaft und Berlin-Besucher kommen zu uns zum Essen."

Und auch Integrationsbeauftragte Maria Böhmer gestand gestern in dem Kreuzberger Schnellrestaurant ihren Hang zum schnellen Imbiss: "Wenn ich früher abends aus meinem Wahlkreis kam, habe ich mir oft noch schnell eine Portion Chicken McNuggets mit Barbecue-Soße bei McDonald's geholt."