Bildung

Bezirk Mitte protestiert gegen Umverteilung der Lehrer

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Florentine Anders

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gerät auch in der eigenen Partei zunehmend unter Druck. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Mitte und stellvertretender Landesvorsitzender der SPD, fordert den Senator auf, das neue Verteilungsmodell für Lehrer umgehend wieder zurückzunehmen.

Die Regelung für die Neuorganisation der Grundschulen führe dazu, dass besonders Schulen in sozial schwierigem Umfeld schlechter gestellt würden als bisher. Der Bezirk Mitte müsse nach den neuen Richtlinien 30 Lehrerstellen abgeben. Zudem würden Schulen mit vielen Migrantenkindern gezwungen, mehr Kinder in einer Klasse aufzunehmen. "Das ist bildungspolitisch fatal", warnt Hanke. Das Leitbild der sozialen Stadt sei damit gefährdet. Gerade Schulen in sozial schwachen Gebieten müssten eine bessere Lehrerausstattung erhalten als bisher.

Auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte bereits heftig gegen das neue Verteilungsmodell protestiert. Nach den Berechnungen des Schulamtes müsste allein der Kreuzberger Teil zum kommenden Schuljahr 69 Lehrer abgeben. Die Bildungsstadträtin des Bezirk, Monika Herrmann (Grüne), prophezeit, dass unter diesen Bedingungen noch mehr bildungsbewusste Eltern den Bezirk verlassen oder in Privatschulen flüchten würden. Mehrere Tausend Eltern hatten am 24. Juni gegen die Umverteilung protestiert. Neben Mitte und Kreuzberg gehört auch Neukölln zu den Verliererbezirken des neuen Verteilungsmodells.

Die Zumessungsrichtlinien sehen vor, dass die zusätzlichen Sprachförderstunden nicht nur an Schulen mit einem hohen Anteil an Migrantenkindern gehen, sondern auch dorthin, wo viele Kinder von der Zuzahlung für Lernmittel befreit sind, weil die Eltern zu wenig verdienen. Außerdem müssen künftig auch bei einem hohen Anteil an Migrantenkindern bis zu 26 Schüler in eine Klasse aufgenommen werden, bisher sind es 23. Die Zahl der Förderstunden für die Integration von behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern soll zum nächsten Schuljahr halbiert werden. Weniger Lehrer als bisher soll es durch die Regelung nicht geben, lediglich die Verteilung soll nach Angaben der Verwaltung gerechter werden.

Dennoch müssen in den nächsten fünf Jahren nach Berechnungen der Schulverwaltung 2500 Lehrer neu eingestellt werden. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus hervor. In derselben Zeit würden rund 4000 Vollzeitkräfte in den Ruhestand gehen. Die Schülerzahl sinke um 25 000. In diesem Schuljahr wurden 669 Stellen neu besetzt.