Architektur

Britzer kämpfen um Weltkulturerbe

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Anemi Wick

Für kurze Zeit erhielt ein Bahnhof der Linie U 7 einen neuen Namen: "Hufeisensiedlung" stand gestern in großen Lettern auf den Schildern und Tafeln, wo noch vor kurzem "Parchimer Allee" zu lesen war.

Initiiert hatte die Aktion die Freunde und Förderer der Hufeisensiedlung Berlin-Britz e.V. Es ging um Aufmerksamkeit für die wohl bekannteste der sechs Berliner Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus der Zwanzigerjahre, die in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen werden sollen. Der Bund hatte 2006 einen entsprechenden Antrag gestellt. Zusammen mit den Siedlungen Gartenstadt Falkenberg in Treptow-Köpenick, Schillerpark in Wedding, Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg, Weiße Stadt in Reinickendorf und Siemensstadt in Spandau soll die Hufeisensiedlung den Welterbetitel erhalten.

"Besucher aus aller Welt, insbesondere Architektur-Touristen, interessieren sich für die Siedlung. Aber man findet sie kaum", begründet Christoff Jenschke, Vorsitzender des Vorstands der Freunde und Förderer, die Aktion. Der Verein sei Ansprechpartner für Hauseigentümer in der Siedlung, wenn es darum gehe, die Häuser denkmalgerecht zu renovieren. Ein Gutachten, das "jedes Detail" der 679 Häuser, die nach den Plänen der Architekten Bruno Taut und Martin Wagner gebaut wurden, dokumentiere, wolle der Verein in Zukunft als Datenbank der Allgemeinheit zugänglich machen. Dem Verein liege am Herzen, dass die Einheitlichkeit der Bauten erhalten bleibe - auch nachdem die Reihenhäuser an verschiedene Eigentümer veräußert wurden.

Die komplette Siedlung mit den Gärten und Grünflächen stehe seit 1986 unter Denkmalschutz. Deshalb würde sich für die Hauseigentümer mit dem Titel kaum etwas ändern. Von dem Stempel "Weltkulturerbe" verspricht sich Jenschke vor allem zusätzliches nationales und internationales Renommee - ein Weltkulturerbe könne für den "Problembezirk" Neukölln zum Aushängeschild werden. Neben der Berliner Museumsinsel und den Preußischen Schlössern und Gärten wären die "sechs Siedlungen der Moderne" der dritte Kandidat, der einen Platz auf der prestigeträchtigen Liste des Unesco-Welterbes einnehmen würde. Darüber entscheidet das Komitee auf der 32. Tagung des Unesco-Welterbekomitees in Quebec (Kanada). Die Tagung endet am 10. Juli. Mit einem Entscheid wird heute gerechnet.

Der Titel gehe mit der Verpflichtung einher, "das Erbe für die gesamte Menschheit zu erhalten", sagt Jenschke. Vielleicht würden dann auch Bundesmittel in den Erhalt der Hufeisensiedlung fließen. Die Grünanlagen um den Teich seien teilweise verwildert.

Die Namensfolien am Bahnhof Parchimer Allee seien nach der Aktion wieder entfernt worden, sagt Jenschke. Vom Senat oder von der BVG gebe es noch keine Rückmeldung auf die Idee, den Bahnhof umzubenennen.