Sicherheit

Mit Jazz im Auto steigt das Unfallrisiko

Eine Studie belegt: Wer Klassik hört, fährt am sichersten, Jazz und Blues dagegen lenken zu sehr ab

Liebhaber von Jazz- und Bluesmusik sind im Straßenverkehr ein großes Risiko. In einer neuen Umfrage des britischen Ablegers der deutschen Allianz-Gruppe gaben Autofahrer an, dass sie sich am meisten durch Jazz und Blues (50 Prozent) abgelenkt fühlten, auf Platz zwei folgt Country-Musik (42) und danach Hip-Hop (29). Popmusik (13) am Steuer stört eher nicht. Am beruhigendsten wirken Rock (10) und Klassik (6). Jeder Zehnte gab laut der Studie zu, schon einmal beinahe einen Unfall verursacht zu haben, weil er oder sie zu sehr auf die Musik konzentriert war. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen begab sich jeder Dritte in diese Gefahr.

54 Prozent der 1000 befragten britischen Autofahrer gaben an, dass sie sich eine Maximallautstärke in Autoradios wünschen, um nicht abgelenkt zu werden, jeder Sechste Fahrer fühlt sich von lauter Musik aus den Nachbarautos gestört. Es darf angenommen werden, dass deutsche Fahrer ähnlich fühlen. Die Verkehrshüter haben die beruhigende Wirkung klassischer Musik längst anerkannt. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft und eine Auswahl seiner Musikpreisträger hat jüngst auch eine CD herausgebracht, um stressgeplagte Autofahrer zu besänftigen.

Bei der Entdeckung der Langsamkeit ist Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) Schirmherr. „In Deutschland ereignen sich jährlich über vier Millionen Verkehrsunfälle, bei jedem zehnten werden Menschen verletzt oder getötet. Wenn wir mit Musik dazu beitragen können, dass Autofahrer entspannter und damit rücksichtsvoller fahren, helfen wir auf schönste Art, Unfälle zu vermeiden.“ Mit beruhigender Musik allein wird die traurige Bilanz nicht aufgehellt werden können. Experten mahnen, dass die Gewohnheiten beim Fahren geändert werden müssen. Die deutsche Allianz fand in einer Studie heraus, was die Autofahrer neben Musikhören hinterm Steuer noch ablenkt: Nebentätigkeiten wie Schmuck oder Uhr anlegen, Kontrolle der Kleidung, Ordnen der Frisur, Betrachten von Hautunreinheiten oder Zähnen, Nagelpflege, Wechseln der Brille, Auftragen von Sonnenschutzcreme, Einnehmen von Medikamenten, Anlegen oder Ablegen der Krawatte, Wechsel in bequeme Schuhe.

Vor allem auf dem Weg zur Arbeit sei der Fahralltag von Tätigkeiten rund um die eigene Person begleitet, das belegt die Studie. Häufig seien unnötiger Zeitdruck oder Bequemlichkeit der Grund. Fasst man die Antworten der Autofahrer in der Studie zur Ablenkung am Steuer auf die vier Fragen nach Make-Up, Rasieren, Kleiderwechsel, Nagelpflege und Schmuck/Uhr an-, ablegen zusammen, ergibt sich ein Anteil von 27,5 Prozent, die das Vorkommen eines oder mehrerer dieser Aktivitäten während des Autofahrens bestätigten. „Viele dieser Tätigkeiten und Blickabwendungen werden nicht als gefährlich angesehen und geschehen oft flüchtig nebenher. Das macht die Sache so gefährlich“, sagt Jörg Kubitzki, Unfallforscher und Autor der Studie.

Grundsätzlich zeigt die Studie, dass Ablenkungen am Steuer einen größeren Einfluss auf die Unfallwahrscheinlichkeit im Straßenverkehr haben als allgemein angenommen. „Etwa jeder zehnte Unfall ist maßgeblich durch abgelenktes Verhalten der Autofahrer verursacht“, sagt Severin Moser, Vorstand der Allianz Deutschland AG. „Bei etwa einem Drittel aller Unfälle spielt Unaufmerksamkeit eine Rolle.“