Schweden

Insolvenzantrag: Saab steht vor dem endgültigen Aus

Alle Sanierungsversuche haben nichts genützt: Der schwedische Autobauer Saab hat Insolvenz angemeldet.

Eigentümer Victor Muller gab dafür dem Vorbesitzer General Motors (GM) die Schuld, der einen Verkauf von Saab an chinesische Investoren blockiert hatte. Er sprach im Werk in Trollhättan aber bereits wieder von einem möglichen Neubeginn: "Es gibt da draußen Interessenten für Saab." Gestellt wurde der Insolvenzantrag beim für den Hersteller zuständigen Gericht in Vänersborg. Ein Gerichtssprecher sagte, das Gericht wolle einen Insolvenzverwalter einsetzen. Das Gericht sollte eigentlich Anfang dieser Woche entscheiden, ob der im September für drei Monate verhängte Gläubigerschutz für Saab verlängert wird. Unter diesem Schutz musste Saab-Eigentümer Muller die Schulden seines Unternehmens vorerst nicht zurückzahlen - im Oktober waren es nach seinen Angaben schon 150 Millionen Euro.

Probleme seit Ende der 80er-Jahre

Saab macht schon seit Jahren Verluste. Muller, Chef des kleinen niederländischen Sportwagenherstellers Spyker, hatte Saab Anfang 2010 von GM übernommen - und damit zunächst vor der Pleite bewahrt. Es gelang Muller aber nicht, das Steuer herumzureißen. Im Frühjahr 2011 musste Saab erstmals die Produktion stoppen, weil Zulieferer wegen ausstehender Rechnungen nicht lieferten. Seit Juni stehen die Bänder in Trollhättan endgültig still, seit November bekommen die 3700 Beschäftigten kein Geld mehr. Als letzte Chance galt der Verkauf an chinesische Investoren. Ende Oktober verkündete Muller, Saab solle für 100 Millionen Euro an den Autohersteller Youngman und den Autogroßhändler Pang Da aus der Volksrepublik gehen. Damit sei die Zukunft gesichert. Doch der ehemalige Eigentümer GM machte Muller einen Strich durch die Rechnung: Der Konzern warnte, er werde im Falle eines Verkaufs seine Lizenzen für die gemeinsame Nutzung von Technologien zurückziehen und seine Zulieferungen für mehrere Saab-Modelle beenden. Diesen Widerstand bekräftige GM am Wochenende noch einmal - und besiegelte damit das wohl endgültige Aus des Traditionsunternehmens.

Die Firma Saab war im Jahr 1937 mit Hilfe der schwedischen Regierung als Flugzeugbauer gestartet. Das erste Auto lief zwölf Jahre nach Gründung der Firma vom Band, klar inspiriert vom Flugzeugbau. Seine Hochzeit hatte der Hersteller in den 70er- und besonders in den 80er-Jahren, als die damals schwache schwedische Krone den Export begünstigte. Ende der 80er-Jahre begannen jedoch die Schwierigkeiten. Nach drei Jahren mit Verlust in Folge stieg 1990 GM ein, 2000 übernahmen die Amerikaner ganz. Doch auch unter Führung von GM erwirtschaftete Saab nur 2001 Gewinn - seitdem blieben die Zahlen rot. Unter der Ägide von Spyker verkaufte Saab 2010 gerade einmal 32 000 Autos.