Elektroautos und andere Öko-Mobile

Es röhrt kaum noch bei der Rallye Monte Carlo

Érik Comas musste letztlich doch ein Mittagessen bestellen. Die kleine Werkstatt in Saint-André-les-Alpes besaß zwar einen Starkstromanschluss, doch ein Wackelkontakt sabotierte die Schnellaufladung seines Tesla Roadster Sport.

Vom Etappenstart in Valence bis in das Provençe-Dorf war er 230 Kilometer gefahren, noch etwas weiter hätten die Akkus schon noch gereicht, schließlich hatte Comas im Vorjahr einen Rekord mit 392 Kilometern erzielt. Doch die nun folgende Kurvenroute würde die perfekte Piste für die herausragenden Fahreigenschaften des Elektroroadsters sein. Ausgerechnet hier wollte Comas, der frühere Formel-1-Fahrer, nicht sparen. Hier wollte er schnell sein und brauchte ganz volle Akkus.

Wasserstoff ist ein Problem

Die Rallye Monte Carlo für alternative Antriebe ist anders. In diesem Jahr zum vierten Mal ausgetragen, geht es nicht an jeder Stelle nur ums Tempo, sondern auch darum, wie sich Erdgas, Hybrid, Elektro, wie sich einfach alles jenseits von Benzin und Diesel im Wettbewerb schlägt. Wobei auch dieselautos mitfahren, etwa der Ford Focus Econetic und der VW Polo BlueMotion. Auch sehr wenig getarnte Benziner sind dabei, sie fahren halt mit BioEthanol und gehören zu den Stärksten im Feld: Ferrari F430, Porsche 911, Corvette, Ford Mustang sowie die aktuellen Lotus-Modelle Elise, Exige und Evora. Einzig Modelle mit Wasserstoff-Brennstoffzelle fehlen - es gibt nur vier Hydrogen-Tankstellen in Frankreich. Dennoch: Die Rallye gilt nicht zuletzt wegen ihrer ambitionierten Routenplanung und des strikten motorsportlichen Reglements als ernster Leistungs- und Zuverlässigkeitstest.

Die drei Startorte heißen Clermont-Ferrand, Annecy le Vieux - und Lugano. Von dort aus führt die Route durchs neblige Aostatal über den verschneiten Mont Blanc bis nach Albertville; dann weiter via Grenoble auf die Hochebene von Saint-Jean-en-Royans. Hier steht die erste Wertung an, ein acht Kilometer langer Gleichmäßigkeitstest. Das Team Comas/Tesla kann hier seine Überlegenheit demonstrieren und auch alle weiteren Prüfungen gewinnen. Doch langweilig wird die Rallye keinesfalls. Vor allem nicht für Comas, der im Tesla ein neues Sportgerät entdeckt hat. "Zwar besitzen alle Stromautos durch die unmittelbar verfügbare Kraft diese Dynamik, doch nur der Tesla kann fast jeden Topsportwagen schlagen." Dieses neue Fahrgefühl fasziniert Comas. "Auf hügeligen Strecken rechnet man nun die Rekuperation mit ein. Durch diese Energierückgewinnung per Motorbremse beim Bergabfahren verlängert sich die Reichweite."

Hersteller wie Tesla und Ford nutzen die Rallye, um die Grenzbereiche ihrer Autos zu testen und mit guten Platzierungen Argumente fürs Marketing zu sammeln. Schon seit 99 Jahren bedienen sich Marken an der "Monte" und ihrem mythischen Kontrast von High-End-Technik und rustikalen Routen. Man denke an Mini, Lancia oder den Audi Quattro. Ob die alternative Rallye-Variante für die Legendenbildung von Elektroautos genauso wichtig werden wird? "Wir stehen vor einem technologischen Quantensprung, noch erheblicher als die Le-Mans-Siege der Diesel-Audi", sagt Comas. "Es wird nicht mehr lange dauern, bis die ersten WM-Rennen auf elektrischen Sportwagen gefahren werden."

Fürst Albert testet E-Sportwagen

Die drei Rallyetage durch die Schweiz, Italien, Frankreich und Monaco decken alle Stärken und Schwächen auf: Hybridautos sind zuverlässig, aber temperamentlos. Gleiches gilt für Gasantriebe, bei denen die Umstellung die PS-Zahl drückt. Und das Bioethanol ist für den Umweltschutz zwar wenig konsequent, aber immerhin laut. Einzig die elektrischen Neuheiten demonstrieren, wie weit hinein in die Zukunft sich das Rad gedreht hat.

Unterdessen testet auch Fürst Albert II. in der Altstadt von Monte Carlo einen Tesla Roadster. Für einen Stadtstaat mit der Größe von zwei Quadratkilometern gab es nie einen besseren Sportwagen.