Wann ist ein Neuwagen alt?

Neuwagen - ein Wort mit magischem Klang für Autofans. Frisch vom Band gerollt, makellos und unberührt. Tatsächlich? Was ist, wenn der Neue ein Alter ist? Einer von der Halde, wo er sich über zwölf Monate lang die Achsen krummgestanden hat?

Dann darf er zumindest nicht mehr als "fabrikneu" bezeichnet werden. So definiert es die oberste Instanz deutscher Rechtsprechung, der Bundesgerichtshof (BGH).

Mit diesem Urteil (Az. VIII ZR 227/02) korrigierten die BGH-Richter frühere Rechtsprechung, die sogar ein bis zu 30 Monate altes Auto als neu hatte durchgehen lassen. Ein Jahr kaltgestellt, das ist immer noch eine lange Zeit, in der viel passieren kann. Nicht zuletzt deshalb differenzieren die Juristen. Danach ist ein Auto nicht mehr fabrikneu, wenn es: - länger als zwölf Monate auf Halde stand - bei kürzerer Standzeit durch die Standzeit bedingte Mängel aufweist - so ausgeliefert wird, wie es zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht mehr gebaut wurde.

Das ist der Fall, wenn vom betreffenden Auto schon die neue Modellreihe vom Band lief (BGH, Az. VIII ZR 325/98). Ein solches Auto läßt sich natürlich dem halbwegs kundigen Autokäufer nicht als aktuelles Modell unterschieben. Doch oft muß der Käufer haarscharf aufpassen, denn auch kleine Änderungen gelten. Voraussetzung ist jeweils, daß bei Vertragsunterzeichnung die Veränderung bereits Serienstand war. Beispiele: - Der gelieferte Wagen erfüllt nur Euro 3, obwohl das Modell längst Euro 4 erreicht. - Bei Vertragsabschluß wurde das Modell schon mit serienmäßigem Regensensor produziert, doch geliefert wird ein Auto noch ohne diese Serienausstattung. - Es wird zwar der bestellte 2,0-Liter geliefert, aber noch mit alter PS-Leistung.

In solchen Fällen hat das Auto, rechtlich gesehen, einen Sachmangel. Konsequenz für den Händler: Hat er den Kunden nicht auf das Alter des Autos oder Veränderung des Modells hingewiesen - und auch deshalb etwa einen Preisnachlaß eingeräumt -, hat der Käufer Ansprüche gegen den Autohändler.

Er kann maximal die Rückabwicklung des Kaufvertrags (Wandlung) verlangen. Nachteil für den Kunden: Hat er bereits Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, muß er sich diese gegenrechnen lassen. Sinnvoller dürfte deshalb eine Kaufpreis-Minderung sein. Nach dem Motto: Gibt es vom Händler Geld zurück, ist die Scharte ausgewetzt.