Motor

Der Traum aus dem Autoquartett

Das Saisonende ist schon in Sichtweite. "Im Winter wird das Auto nicht bewegt", sagt Robert Klanten, "da bleibt es in der Tiefgarage." Doch an diesem Wochenende kann sein Maserati Ghibli auf der Autobahn A 13 noch so richtig zeigen, was in ihm steckt. Dann fährt der Berliner Unternehmer nach Dresden zum Treffen des Deutschen Maserati Clubs, der dort sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Robert Klanten hat den Ghibli, ein traumhaft schönes Coupé im Stil der späten 60er-Jahre, "eigentlich schon immer gut gefunden. Ich bin mit Autoquartett aufgewachsen", sagt der Wahlberliner, "und da waren natürlich viele italienische Sportwagen dabei." In seiner niederrheinischen Heimat sah er einmal Günter Netzer mit einem Ferrari Dino zum Training heranbrausen, "bei uns Jungs standen diese Autos hoch im Kurs".

Mit 20 schaffte er das erste Auto an, einen 200er Mercedes, Typ "Heckflosse", der damals auch schon 17 Jahre auf dem Kofferraumdeckel hatte. Fahrbereit war das Auto nicht, es musste erst restauriert werden. Autodidaktisch und mit Hilfe von Freunden eignete sich Klanten das Schrauben an und war dabei so erfolgreich, dass ihm der Benz zwölf Jahre die Treue hielt.

In der Selbstständigkeit und mit wachsendem Erfolg des Unternehmens - Klanten führt mit einem Partner zusammen einen Fachverlag für Kunst und Design - wurden Fahrzeuge wie der Audi A6 oder die Mercedes R-Klasse angeschafft und zum alltäglichen Beförderungsmittel. Platz wurde schließlich gebraucht, denn zur Familie Klanten gehören noch Frau und zwei Söhne.

Die Existenz der Gebrauchsautos konnte die Sehnsucht nach einem italienischen Sportwagen aber nicht dämpfen. "Um die Unterstützung für mein Vorhaben ein wenig zu fördern, habe ich meine Frau häufiger ins Berliner Meilenwerk geschleppt", erzählt der 43-Jährige. Ferrari gehörte indes nie zu seinen Favoriten: "Für mich war Maserati schon immer die coolere Marke." Bei einem Händler in Köln sah er einen Tages im Schaufenster einen schwarzen Ghibli - von da an wurde das Projekt Anschaffung konsequent vorangetrieben.

In einem Schweizer Internetforum entdeckte Klanten bald darauf ein Exemplar des gesuchten Modells. Mit Hilfe des deutschen Maserati-Clubs fand der Klassikerfreund einen Gutachter, und der gute erste Eindruck von dem Fahrzeug aus dem Jahr 1971 bestätigte sich. "Nach einer Stunde Probefahrt war alles klar", erinnert sich Klanten. Das blau lackierte Coupé mit dem weißen Lederinterieur wechselte den Besitzer. Auch wenn sich der 1,97 Meter große Verleger immer ein wenig zusammenfalten muss, um in den 1,16 Meter hohen Zweitürer zu schlüpfen - man kann ihm ansehen, dass ihm jeder gefahrene Meter Freude macht.

Der von Giugiaro gestaltete Sportwagen hat eine große, gläserne Heckklappe, und von dem Design fühlt sich mancher an das deutsche Fabrikat Bitter CD erinnert, das etwa zur gleichen Zeit auf den Markt kam. Zwischen 1967 und 1973 wurde der Maserati Ghibli in Deutschland angeboten. 1970 waren für ein neues Exemplar des Coupés 72 233,25 D-Mark zu zahlen. Im Frühjahr 1973 kam das Modell mit dem Zusatz SS heraus, das mit 77 783,25 Mark in der Preisliste stand. Gut erhaltene Exemplare sind heute für diese Summe - in Euro, versteht sich - nicht mehr zu haben. Maserati Deutschland schätzt den Ghibli-Bestand hierzulande auf rund 30 Stück.

Der Motor hat 4,7 Liter Hubraum, und die Leistung steht mit 330 PS in den Papieren. Bis 300 reicht die Tachoskala. "Der Wagen ist mal mit mehr als 285 km/h im Lichtschrankentest gemessen worden", berichtet der stolze Besitzer, "aber das auszuprobieren, habe ich mich noch nicht getraut." Schließlich hat er als Familienvater auch eine besondere Verantwortung. Die Söhne, zwei und vier Jahre alt, lassen bereits Interesse an Vaters Hobby erkennen. Der größere der beiden darf sogar schon mit Papa mitfahren. "Natürlich", sagt Klanten, "sind wir dann mit Kindersitz unterwegs."