US-Wahl

Wie Hillary Clinton mehr Stimmen holte und trotzdem verlor

Hillary Clinton erhielt mehr Wählerstimmen als Donald Trump – trotzdem wird „The Donald“ neuer US-Präsident. Wie passt das zusammen?

Hillary Clinton musste ihre Niederlage eingestehen. Dass sie mehr Stimmen holte als Rivale Trump, dürfte ihr kein Trost sein.

Hillary Clinton musste ihre Niederlage eingestehen. Dass sie mehr Stimmen holte als Rivale Trump, dürfte ihr kein Trost sein.

Foto: Olivier Douliery / Pool / dpa

Berlin/Washington.  Fast hundert Prozent der Wählerstimmen sind in den USA inzwischen ausgezählt. Hillary Clinton kann demnach 47,7 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Ihr Konkurrent Donald Trump folgt mit 47,5 Prozent knapp dahinter. Das macht gut 200.000 Wählerstimmen Vorsprung für Clinton. Klar ist aber schon lange: Trump zieht ins Weiße Haus ein, nicht Clinton.

Der Grund für diese scheinbare Absurdität ist das amerikanische Wahlsystem mit seiner Kombination aus indirekter Wahl und Mehrheitswahlrecht. Und das funktioniert so:

528 Wahlleute entscheiden

Der Präsident wird in Amerika nicht direkt vom Volk gewählt, sondern gleichsam über den Umweg des Wahlleutegremiums, auch Electoral College genannt.

Dieses Gremium besteht aus insgesamt 538 Wahlleuten. Dabei stellt jeder Bundesstaat so viele Wahlmänner oder Wahlfrauen, wie er über Abgeordnete und Senatoren verfügt. Ausschlaggebend ist hierbei die Bevölkerungszahl.

So stellt beispielsweise Kalifornien mit seinen etwa 40 Millionen Bürgern 55 Wahlleute in dem Gremium. Das kleine New Hampshire an der Ostküste dagegen mit 1,3 Millionen Einwohnern entsendet lediglich vier Wahlleute. Für den Sieg braucht ein Kandidat 270 Stimmen im Electoral College.

Es gilt: „The Winner takes it all“

Die Wahlleute des jeweiligen Staates erhält der Kandidat, der dort die meisten Stimmen holt. Egal, ob er hauchdünn oder haushoch gewinnt. Das Prinzip lautet: The Winner takes it all – Der Sieger bekommt alles. Nur in zwei Bundesstaaten, nämlich in Maine und Nebraska, gilt dieses Mehrheitsprinzip nicht.

Dieses Wahlsystem macht nun folgendes Ergebnis möglich: Ein Kandidat verliert in vielen kleineren Bundesstaaten, holt aber trotzdem den „Gesamtsieg“, weil er in mehreren Staaten mit hoher Bevölkerungszahl vorn liegt.

Clintons Siege in New York und Kalifornien halfen nicht

Andersherum ist es möglich, dass ein Kandidat zwar in wenigen bevölkerungsstarken Staaten hohe Siege erringt – und somit sehr viele Wählerstimmen einfährt. Dennoch reicht es für ihn in Summe nicht für die Mehrheit im Electoral College. Auf seinem Konto hat er dann zwar die meisten Stimmen, aber nicht genügend Wahlleute. So wie jetzt Hillary Clinton.

Clinton siegte hoch in „großen“ Staaten wie New York und Kalifornien. Trotzdem sammelte sie nur 228 Wahlleute ein. Trump dagegen kam auf 279.

Solch eine Situation gibt es bei der Wahl 2016 nicht zum ersten Mal. Bereits dreimal in der Geschichte kamen ähnliche Ergebnisse zustande. Zuletzt bei der Wahl im Jahr 2000. Damals sicherten ganze 537 Stimmen Vorsprung dem Republikaner George W. Bush den Sieg in Florida. Bush bekam alle Wahlleute des Staates – und hatte die Mehrheit im Electoral College. Sein Rivale, Al Gore von den Demokraten, verbuchte zwar USA-weit mehr Wählerstimmen – doch das half ihm so wenig wie jetzt Hillary Clinton.

Nur jeder vierte Wahlberechtigte stimmte für Trump

Und auch das zeigen die Zahlen: Die Unterstützung für Trump in der Bevölkerung ist bemerkenswert gering. Gerade einmal jeder vierte Wahlberechtigte (25,5 Prozent) stimmte für den Republikaner. Clinton wählten 25,6 Prozent der insgesamt 231,56 Millionen Wahlberechtigten. Zwei Prozent sprachen sich für die vier weiteren Kandidaten aus – und 46,9 Prozent gingen erst gar nicht zur Wahl. (W.B.)