Im Nachruf

Falscher Cousin von Trump warnt vor neuem US-Bürgerkrieg

Ein angeblicher Thomas P. Trump warnt in seinem Nachruf vor Donald Trump und „holocaustartigen“ Ereignissen. Was ist dran? Ein Check.

Foto: Screenshot Facebook.com / Peoples Effort

Das Undenkbare ist geschehen: Donald Trump wird 45. Präsident der USA. Und weltweit fragen sich viele Menschen: Was wird jetzt passieren? Ein Blick in eine „Simpsons“-Folge von 2000, die die Trump-Präsidentschaft vorhersagt, ist dabei vielleicht hilfreich. Schließlich gilt der Mann als unberechenbar. Da mutet die Fiktion fast realistischer an als die Wirklichkeit. Das Internet spült gerade ein „Meme“ hoch, das ebenfalls vorhersagt, was den USA unter Trump nun bevorsteht.

Es handelt sich um die vermeintliche Todesanzeige von Trumps angeblichem Cousin Thomas P. Trump. Der Mann soll am 16. Januar 2016 mit 88 Jahren gestorben sein. Sein letzter Wunsch: Wählt nicht Trump! Die Begründung ist erschreckend. Der Name Trump sei schon durch Donalds Vater genug in den Schmutz gezogen worden. Wenn „dieser Schleimbeutel“ zum mächtigsten Mann der Welt werde, dann würde er den Job derart versauen, dass der Name Trump für immer als ein Synonym für „holocaustartige“ Grausamkeit und einen zweiten Amerikanischen Bürgerkrieg stehen würde.

Viele Menschen haben den "Nachruf" bei Facebook geteilt, nicht wenigen erscheint er glaubwürdig. Doch die Geschichte ist ein Fake. Denn einen Trump-Cousin namens Thomas P. Trump hat es nie gegeben, das Ganze ist frei erfunden.

„Thomas P. Trump“ war in Wirklichkeit John Cooper aus Kalifornien

Die amerikanische Faktencheck-Seite snopes.com, die Gerüchte aus den sozialen Medien auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft, ist der Geschichte nachgegangen. Das Ergebnis: Das Bild, das den angeblichen Thomas P. Trump zeigt, hat der Urheber des Memes offenbar vom Fotoportal flickr.com heruntergeladen.

Es zeigt in Wahrheit einen Mann namens John „Pat“ Cooper und entstand am Strand von Santa Barbara. 2006 lud es dann jemand bei Flickr hoch. Von dort stahl es offenbar der Schöpfer des vermeintlichen „Nachrufs“, dachte sich Geburts- und Sterbedatum aus und schrieb dazu, der ehemalige Chemiker und „Menschenfreund“ habe es so gewollt, dass die Warnung vor Donald Trump in seiner Todesanzeige abgedruckt werde.

Cooper starb im Jahr 2008 und kann somit keinen Einspruch mehr gegen die Nutzung seines Bildes erheben. Übrigens gab es tatsächlich einen Thomas P. Trump, der jedoch nicht mit Donald Trump verwandt ist.

Die Warnung wirkt plötzlich gar nicht mehr so lustig

Während die Todesanzeige viele zum Schmunzeln brachte, hat der Scherz inzwischen einen bitteren Beigeschmack. Beim amerikanischen Bürgerkrieg handelt es sich um die brutale Abspaltung der amerikanischen Süd- von den Nordstaaten (1861-65). Die Südstaaten wollten gewaltsam an der von US-Präsident Abraham Lincoln abgeschafften Sklaverei festhalten.

Die US-Präsidentschaftswahl 2016 hat eine erneute Spaltung der amerikanischen Gesellschaft dramatisch verdeutlicht. Und in den USA gehen Menschen gegen und für Trump auf die Straße, es kam bereits zu Schüssen im Umfeld einer Anti-Trump-Demonstration. Solche Entwicklungen lassen den Nachruf-Scherz plötzlich eher bitter erscheinen.

Es gibt übrigens auch echte Fälle, in denen Amerikaner in ihrem letzten Wunsch dazu aufriefen, man solle nicht für Donald Trump stimmen - zum Beispiel Alba Keus, die mit 86 Jahren in Massachusetts starb. Ihre Tochter sorgte dafür, dass dieser Wunsch veröffentlicht wurde.