Berliner Schüler

Trumps Wahlsieg: „Die meisten meiner Freunde sind geschockt“

In Berlin reagieren Politiker, aber auch Schüler überwiegend entsetzt über den Sieg des Populisten bei der Präsidentenwahl in den USA.

Viele Schüler der John F. Kennedy-Schule hätten einen Wahlsieger Trump nicht erwartet

Viele Schüler der John F. Kennedy-Schule hätten einen Wahlsieger Trump nicht erwartet

Foto: Sergej Glanze

Donald Trump hat die Präsidentenwahl in den USA gewonnen. Die weltweiten Reaktionen auf diesen überraschenden Sieg sind vielfältig. Unter Vertretern der Berliner Politik herrschte überwiegend Sorge und Entsetzen über Trumps Erfolg. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich bestürzt. „Trump hat mit rückwärtsgewandten, rassistischen und frauenfeindlichen Parolen gewonnen“, sagte er am Mittwoch. Eine Gesellschaft sollte aber aus seiner Sicht nicht zulassen, dass Populisten wie Trump Erfolg haben, die ein Land mit Hasstiraden und Ausgrenzung spalteten. Dem müsse man sich entgegenstellen, sagte Müller.

Das denken die Berliner über Trumps Wahlsieg
Das denken die Berliner über Trumps Wahlsieg

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ramona Pop äußerte sich besorgt. Mit der Wahl Trumps hätten die amerikanischen Werte wie Freiheit und Vielfalt verloren. „Sein nationalistischer Kurs wird unabsehbare Folgen für die USA, Europa und Deutschland haben“, sagte die Grünen-Politikerin. Georg Pazderski, Landesvorsitzender und Fraktionschef der Berliner AfD, gratulierte Trump indes zu seinem Sieg. „Die Wahl war auch ein Votum gegen den Lobbyismus großer Konzerne und Medien, die sich vor allem in den letzten Tagen überwiegend für Hillary Clinton ausgesprochen haben. Auch die Demoskopen haben komplett falschgelegen“, sagte er.

Jugendliche haben Angst vor einer ungewissen Zukunft

Auch an Berliner Schulen wurde am Mittwoch heftig über den Wahlausgang in den USA diskutiert. Die Berliner Morgenpost sprach mit Schülern der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf, von denen die meisten Freunde in den USA haben und zum Teil auch selbst aus den USA kommen. Viele waren emotional sehr betroffen und auch sehr aufgeregt über das Ergebnis der Präsidentenwahl.

Bennit (17) sagte, dass er geschockt sei. Er halte Trump nachdem, was er bisher über andere Politiker wie auch Angela Merkel gesagt habe, nicht für den besten Vertreter der Außenpolitik. „Das kann man ja schon fast mit der AfD vergleichen“, sagte er. Die seien aus den gleichen Gründen gewählt worden wie Trump.

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Miles (17) meinte: „Ich habe von manchen hier gehört, dass sie ein ähnliches Gefühl haben wie bei den Anschlägen auf das World Trade Center. Niemand weiß wie die Zukunft aussieht.“ So geht es auch Juliet (15). Aus diesem Grund sei sie ängstlich. Trump habe sich zwar zu verschiedenen Dingen geäußert, aber man könne ihm nicht vertrauen, auch wenn er eine Menge Einfluss habe. „Es ist traurig, dass einige meiner Freunde aus Texas Trump als einzige Option gesehen haben. Nicht, weil sie alles gut finden, was er sagt, sondern weil er für sie das geringere Übel ist. Aber da sind auch welche, die sich stark zu Trump hingezogen fühlen und das ist es, was mir Angst macht.“

Philipp (16) war sicher, dass die jüngeren Generationen in den USA so denken wie viele in Deutschland und das Ergebnis nicht gut finden. „Eine Freundin von mir in Boston kann ihre Eltern nicht verstehen. Die sind für Trump und sie kann sie nicht überzeugen, ihre Meinungen zu ändern.“ Auch Flora (17) sagte, dass bei den Jüngeren die Meinungen auseinandergehen. „Es gibt Leute, die Trump toll finden und ihn für einen ‚richtigen Führer‘ halten.“ Und es gebe andere – wie ihren Austauschschüler aus Texas –, der ihr schon vor der Wahl gesagt habe, dass er nach Deutschland auswandern werde, sollte Trump gewinnen. „Dabei sind seine Eltern Republikaner und haben Trump gewählt.“ Marian (16) erzählte, dass viele ihrer amerikanischen Freunde geschockt sind. „Für sie war es meistens das erste Mal, dass sie wählen durften und ich denke, die meisten haben erwartet, dass Hillary gewinnt.“

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Auch an der Berlin International School in Dahlem ist der Wahlsieg von Trump ein großes Thema. Leonie (13) nannte ihn den „amerikanischen Brexit“. „Die Leute, die Trump gewählt haben, sind mit ihrem Leben nicht zufrieden, deshalb fanden sie seine Versprechen verlockend“, sagte sie. Viele würden das schon bald bereuen. Felicia (12) sagte, dass jemand, der so rassistisch ist wie Donald Trump, nicht die Macht über ein so großes Land wie die USA haben sollte. „Er wird Sachen machen, die er nicht beherrschen kann.“ Auch Felix (13) war enttäuscht über Trumps Sieg. „Die Welt ist viel komplexer, als Trump das in seinen populistischen Reden darstellt.“ Jona (13) empfindet es als schlimm, dass Trump Muslime aus Amerika ausweisen wolle. Hillary Clinton sei allerdings auch keine gute Kandidatin gewesen. „Ich hätte wahrscheinlich gar nicht gewählt, wenn ich in den USA leben würde.“

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