US-Wahlbeobachter

„Ausgrenzung von Donald Trump hilft jetzt niemandem“

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Christian Unger
Anhänger von Donald Trump feiern den Sieg ihres Kandidaten in New York.

Anhänger von Donald Trump feiern den Sieg ihres Kandidaten in New York.

Foto: Alessandro Vecchi / dpa

Der CDU-Außenexperte Jürgen Klimke fordert von Deutschland und Europa: Wir müssen auf Trump zugehen und Werte des Westens hochhalten.

Berlin/Washington.  Der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Klimke hat mehrere Tage den Wahlkampf vor Ort in den USA verfolgt und erlebte die Entscheidung in Washington. Gemeinsam mit 120 anderen Politikerinnen und Politikern aus 26 Ländern war Klimke in den USA als Wahlbeobachter der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Klimke sagt, dass die Stimmung in den Wahllokalen, in den Politikerbüros, den Medien und Partei-Partys eine ganz andere war. „Niemand hat wirklich mit einem Sieg von Trump gerechnet“, sagt er. „Jetzt wirkt das Land erschüttert wie von einer Undercover-Bombe.“

Wie ist die Stimmung in Washington jetzt?

Jürgen Klimke: Erst einmal muss man festhalten, dass diese Wahl sehr demokratisch ablief. Vor vier Jahren war das noch anders. Da hatten wir als internationale Beobachter teilweise Schwierigkeiten, unsere Arbeit in den Wahllokalen zu leisten. Wir wurden in einzelnen Fällen sogar zurückgewiesen. Und somit gilt nun auch, dass die Entscheidung der amerikanischen Wähler von allen zu respektieren ist. Auch wenn ich kein Fan von Donald Trump bin.

Was bedeutet der Sieg von Trump für die gemeinsame Politik mit Deutschland und Europa?

Klimke : Die Risiken eines US-Präsidenten Trump sind seine Unberechenbarkeit. Wir wissen nicht, nach welchen Motiven und Maßstäben er handelt. Doch gerade Verlässlichkeit ist eine hohe Währung in der Politik. Trumps Annäherung an Autokraten wie Russlands Wladimir Putin machen mir zudem große Sorge. Deutschland und Europa wird es schwerer mit Trump haben, gemeinsame Interessen und Strategien in der Außenpolitik zu verfolgen.

Wie muss Deutschland nun reagieren?

Klimke : Wir dürfen nicht den Fehler machen und Trumps Regierung abweisen. Ausgrenzung und Isolation hilft nicht. Genau das Gegenteil ist wichtig: Europa muss die Werte des Westens hochhalten: Freiheit, Verlässlichkeit, Menschenrechte und Zusammenarbeit beispielsweise. In Kooperation mit Barack Obama hat auch Deutschland in acht Jahren viel erreicht. Darauf lässt sich aufbauen. Ich hoffe, dass Trump dieses Erbe nicht zerstören wird. Wenn wir Offenheit signalisieren, stehen die Chancen besser. Fatal wäre es, Trump weiter in die Rolle des Außenseiters und Rebellen zu treiben.