US-Wahl 2016

„Ich habe bei der Wahl ein ganz schlechtes Gefühl"

In Berlin sind die Meinungen geteilt, wie die Präsidentschaftswahlen in den USA ausgehen. Eindrücke von der Wahlparty der Bertelsmann Stiftung.

Party in der Bertelsmann Stiftung: "Trump" und "Clinton" sind auch da

Party in der Bertelsmann Stiftung: "Trump" und "Clinton" sind auch da

Foto: Jörg Krauthöfer

Die Frühschicht der Securitymänner trifft ein. Bei der Wahlparty der Bertelsmann Stiftung Unter den Linden geben sich nur zehn der geladenen 1.000 Gäste diese vermutlich letzten Minuten des Rennens um die US-Präsidentschaft.

Ihre Blicke wabern zwischen TV Bild und Handy hin und her, in der Hoffnung, dass andere Quellen bessere Zahlen liefern. Es ist kein Abend, an den Ballons auf die Gäste herabschweben.

Einige Zeit zuvor waren noch wesentlich mehr Gäste anwesend. "Was geschieht da gerade?", sagt Jay Magill von der American Academy Berlin ungläubig. Am Büffet gestikulieren die Köche Norman und Jörn und schütteln missmutig die Köpfe. "Wenn Trump jetzt Florida gewinnt, dann sage ich nur: Vorbei der Mai." Neue Nachrichten. Gelähmte Stille legt sich über den Raum.

Die Stimmung war mal besser and iesem Abend. „Ich bin so froh, wenn ich Donald Trumps Gesicht nicht mehr sehen und seine Tweets nicht mehr lesen muss“, sagt Gary Smith, Gründungsdirektor des Einsteinforums und langjähriger Chef der American Academy Berlin, bevor die Hiobsbotschaften über dne Bildschirm flimmern.

>>>Live-Blog zur US-Präsidentschaftswahl<<<

Üblicherweise ist das Bertelsmann-Gebäude das weiße Haus Unter den Linden. Doch in der Nacht, als es darum geht, wer in den kommenden Jahren das weiße Haus in Washington DC und das mächtigste Land der Welt regieren wird, ist die Fassade der Bertelsmann-Repräsentanz neben der Staatsoper in rot-weiß-blaues Licht getaucht.

1000 Gäste sind geladen, vom Bundestagsabgeordneten und Diplomaten bis zu Medienmachern und Schauspielern. Gastgeber sind die Sender CNN, ntv und das Magazin Stern. Auf drei Stockwerken sind genug Programmstationen, Bars und Lounges verteilt, um die Teilnehmer dieser Wahlparty bis in den frühen Morgen zu beschäftigen und zu unterhalten.

Bei Nachrichtensender ntv steht die amerikanische Komikerin Gayle Tufts vor der Kamera. Diesen Wahlkampf hat sie für die Station als Kommentatorin begleitet.

Als sie von der Bühne zurückkehrt, wird die Spaßmacherin schnell ernst: „Die Situation in den USA mit Trump sieht für uns in Berlin vielleicht komplett crazy aus. Aber man darf nicht vergessen: Wir sind ein sehr demokratisches Land.“

Ihren nächsten Auftrag vor der Kamera werde sie wohl beim Besuch Barack Obamas bekommen. „Ich hoffe so sehr, ihn kennen zu lernen“, sagt die Comedienne aufgeregt.

>>>So erleben Clintons Unterstützer die Wahlnacht in Berlin<<<

Mitri Sirin, Moderator des ZDF-Morgenmagazins, sagte: „Ich überlege, ob ich heute überhaupt noch schlafen gehe. Mein Plan ist es, von hier mit Euphorie in die Sendung zu gehen.’ Nach den zurückliegenden drei Wochen, die er in den USA verbracht hatte, habe er die Sicht der Gegner Hilary Clintons verstanden.

„Da sind viele Leute, die die Nase voll haben vom Politikbetrieb.“ Ihrem Gegner habe ihn das allerdings nicht näher gebracht. „Trump verspricht Sachen, die er niemals umsetzen kann.“

Ein Bildschirm so groß wie ein Wohnzimmertisch

In einer Lounge im ersten Stock werden auf einem Bildschirm von der Größe eines Wohnzimmertisches jetzt erste Wahlergebnisse gezeigt. Aber ohne Ton und Untertitel bleibt den zwei jungen Zuschauerinnen in dünnen schwarzen Abendkleidern auf der Couch die Bedeutung des Zahlengewirrs verschlossen.

Auf dem Balkon zur Straße Unter den Linden stehen indes zwei korpulente Männer um die 60 und rauchen. „Man bekommt derzeit gar keine Cohibas mehr aus Cuba. Die Amerikaner kaufen die alle auf“, sagt einer besorgt. Das sei aber nicht schlimm, sagt sein Begleiter: „Es gibt Zigarren, die heißen Guantanamo und sind auch sehr gut.“

Ein Trump-Darsteller sorgt für grinsende Gesichter

Unübertroffener Blickfang ist ein Mann, den die Veranstalter mit Donald Trump-Maske durch die Etagen schickt. Das Publikum liebt das. Alle paar Meter muss er für ein Foto mit übermütig grinsenden Gästen posen.

Ebenfalls dabei sind die Schauspielerinnen Ursula Karven und Katrin Wrobel, Autorin Kerstin Linnartz und Journalistin Dunja Hayali. US-Botschafter John B. Emerson, der Berlin verlassen wird, gab nochmal eine Kostprobe diplomatischer Rhetorik. „Ich werde oft gefragt, wer wohl die Wahl gewinnt. Ich denke, derjenige, der 270 Wahlmänner bekommt.“

In Podiumsdiskussionen geht es im Lauf der Nacht dann um digitalen Wandel und das zukünftige Verhältnis im transatlantischen Verhältnis. Google ist da und vertreibt den Gästen die Zeit bis zu den ersten Ergebnissen aus den Bundesstaaten der USA.

Da kann man sich beispielsweise darüber informieren, was aktuell die Suchtrends der USA sind, was also die Amerikaner gerade von der Suchmaschine wissen wollen, was sie möglicherweise vor Abgabe ihrer Stimme bewegt und noch brennend interessiert.

Ein Abschiedsgruß für Barack Obama

Ein bisschen wehmütig stimmt manchen ein vorbereitetes Filmset. Zum Abschied können die Partygeher dort dem scheidenden Präsidenten Barack Obama vor einer Skyline Berlins einen Gruß, ein paar herzliche oder vielleicht gar despektierliche Worte zurufen.

Später soll das auf YouTube veröffentlicht werden. Ein Mann nimmt sich viel Zeit für sein Goodbye. „Vielen Dank, Mr. President, dass sie dafür gesorgt haben, das dieses Land für meine Kinder ein besserer Ort ist als zuvor.“

Und Gary Smith von der American Academy Berlin? Geht er von einem Sieg Hillary Clintons aus, die er kennt und in Berlin mehrfach in der Academy begrüßt hat? „Aber überhaupt nicht“, sagt er leidenschaftlich. „Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl. Wahlen werden durch Wahlbeteiligung gewonnen und Trump hat viele Menschen mobilisiert.“