US-Wahlkampf

Obamas Vize Biden irritiert bei TV-Duell mit Dauerlächeln

Trotz Dauergrinsen und Nervosität der Vize-Kandidaten - diesen Schlagabtausch hätten sich viele Amerikaner von Obama und Romney gewünscht.

Foto: RICK WILKING / REUTERS

Eine Woche nach dem vielkritisierten Debatten-Auftritt von US-Präsident Barack Obama hat dessen Vize Joe Biden die Republikaner scharf attackiert. Biden (69) und sein 27 Jahre jüngerer Kontrahent Paul Ryan lieferten sich in der TV-Debatte der Vize-Kandidaten bei den Themen Arbeitslosigkeit und Nahost-Politik hitzige Wortgefechte. Ryan warf Präsident Obama innen- und außenpolitisches Versagen vor. „Der Präsident hatte seine Chance... Es hat nicht funktioniert“, sagte der 42-Jährige.

Biden konterte: Unter einem Präsidenten Mitt Romney würden Reiche immer reicher. Dagegen werde sich die Regierung Obama „voll und ganz der Mittelschicht widmen“. Biden wirkte in dem eineinhalbstündigen Rededuell deutlich aggressiver und angriffslustiger – mitunter durch sein ironisches Lächeln aber auch überheblich.

Kein klarer Sieger auszumachen

Die Redeschlacht am Donnerstagabend (Ortszeit) war wesentlich lebhafter als die Debatte zwischen Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney vor einer Woche. Selbst Demokraten hatten Obama als viel zu passiv kritisiert. Der 69-jährige Biden – ein erfahrener Debattenredner mit dem Hang zu sarkastischen Ausbrüchen – setzte den 42 Jahre alten Kongressabgeordneten Ryan vor allem in außenpolitischen Fragen unter Druck.

Aus Schnellumfragen unmittelbar nach dem Ende der Debatte ließ sich kein klares Bild über den Sieg erschließen. Das erste TV-Duell zwischen Obama und Romney hatte dagegen der Republikaner nach Einschätzung der Fernsehzuschauer deutlich gewonnen. Daraufhin stiegen auch Romneys Chancen auf einen Wahlsieg am 6. November spürbar an. Obama büßte seinen über Wochen gehaltenen Vorsprung in Meinungsumfragen ein.

Bei der Debatte in Danville (Kentucky) kritisierte Biden die Ausführungen Ryans zum Thema Libyen und Nahost scharf: „Was für ein Haufen Schwachsinn... Nicht ein einziges Wort daran ist wahr.“ Zudem hielt er den Republikanern vor, die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm zu übertreiben. „Was für ein loses Gerede“, sagte Biden. Der Iran sei noch ein gutes Stück vom Atomwaffenbesitz entfernt.

Nervöse Kontrahenten verhaspeln sich

Ryan warf Biden vor, die Regierung habe in vier Jahren keinen echten Aufschwung geschaffen. Es gebe 23 Millionen Arbeitslose. „Wir gehen in die falsche Richtung... So sieht kein echter Aufschwung aus.“ Biden konterte, die Steuerpläne der Republikaner begünstigten die Reichen und schadeten den Durchschnittsamerikanern. Außerdem weigerten sich Romney und Ryan, ehrlich zu sagen, wo sie sparen wollten.

Beide Kontrahenten waren vor allem anfangs sichtlich nervös und verhaspelten sich mehrfach. Kommentatoren wiesen darauf hin, dass Biden seinen Kontrahenten häufig unterbrach und ein demonstrativ breites Lächeln aufsetzte, wenn der Jüngere sprach. Weder Biden noch Ryan leisten sich aber echte Patzer. Präsident Obama verfolgte die Fernseh-Debatte an Bord seines Flugzeugs Air Force One. „Der heutige Abend hat einmal mehr gezeigt, dass es keinen besseren und unermüdlicheren Anwalt des Mittelstandes gibt als Joe Biden“, schrieb der Präsident im Anschluss auf Twitter.

Netz spottet über Bidens Lächeln

Reichlich Spott musste Biden für sein demonstratives Belächeln des politischen Gegners in der TV-Debatte einstecken. „Ich bin mir nicht sicher, ob die Debatten-Kameras auf Bidens Zähne vorbereitet waren. Das schaut man sich besser mit einer Sonnenbrille an“, twitterte der Korrespondent des „Time“-Magazins, Michael Scherer. Der politische Berater der Republikaner, Brad Dayspring, schrieb: „Sein Lachen und sein herablassendes Verhalten ist ein Disaster.“

Das zweite von drei TV-Duellen zwischen Obama und Romney findet am 16. Oktober statt. Obama hatte bereits angekündigt, dass er seinen Gegner dann deutlich beherzter als beim letzten Mal angehen will. Der dritte und letzte Debattentermin ist der 22. Oktober.