US-Wahlen

Paul Ryan soll für Romney bei den Konservativen punkten

| Lesedauer: 4 Minuten

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner setzte in seinen frisch ernannten Vizekandidaten ganz bestimmte Hoffnungen.

Mit der Ernennung Paul Ryans zu seinem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft setzt der US-Republikaner Mitt Romney ein klares Signal: Er will die diesjährige Präsidentschaftswahl zu einem Referendum über den wirtschaftlichen Kurs der Vereinigten Staaten machen. Ryan ist als Vorsitzender des Haushaltsausschusses im US-Repräsentantenhaus mit wirtschaftlichen Belangen betraut. Zudem stammt der 42-Jährige aus Wisconsin, jenem US-Staat, der bei der Präsidentschaftswahl vor vier Jahren noch an Barack Obama ging. Diesen November dürfte das zumindest schwieriger werden.

Ryan gilt Jungstar der Republikaner und könnte vor allem bei den konservativen Wählern Boden gutmachen. Zudem wird er als Brücke zwischen der eher traditionelleren Strömung der Grand Old Party sowie der zuweilen aufgeregt agierenden Tea-Party-Bewegung angesehen, die sich bislang nicht wirklich für Romney begeistern konnte.

Sein früh verstorbener Vater habe ihm gesagt: „Sohn, du bist entweder Teil des Problems oder der Lösung“, sagte Ryan, als Romney ihn am Samstag als Vize an seiner Seite präsentierte. „Leider ist Präsident Obama Teil des Problems geworden, und Mitt Romney ist die Lösung.“

Ryan steht schon fast die Hälfte seines Lebens im Dienste des Staats. Als Praktikant war er einst für den damaligen republikanischen Senator Robert Kasten tätig. Mit 28 Jahren zog Ryan selbst in den Kongress ein, auch dank der Kontakte, die er über das Bauunternehmen seiner Familie in Wisconsin knüpfte. Der Republikaner gilt als wichtiger Anhänger des verstorbenen Abgeordneten Jack Kemp, der Steuerkürzungen als wichtiges Mittel für wirtschaftliches Wachstum betrachtete.

Ryan wegen Haushaltsentwurf in der Kritik

Mit seinen finanzpolitischen Ansichten stößt Ryan bei Demokraten auf scharfe Kritik. Sein Haushaltsentwurf, der den Titel „Weg zum Wohlstand“ („Path to Prosperity“) trägt, wird von Demokraten kritisiert, die darin vor allem eine Belastung für Arme und Ältere sehen. Ryans Forderung, das Gesundheitsprogramm Medicare für einen größeren privaten Wettbewerb zu öffnen, sei zu riskant, heißt es. Zudem wird Ryans Vorhaben, die Ausgabe von Essensmarken und Wohnhilfen zu reduzieren, als kleinlich bemängelt.

Auch in der eigenen Partei hielt sich die Begeisterung für Ryans Vorstellungen lange Zeit in Grenzen. Dass sich der Jungpolitiker trotz allem weigerte, von seinen Standpunkten abzurücken, habe sich politisch ausgezahlt, sagt Ex-Senator Kasten. „Wenn du plötzlich zur Dartscheibe für alle auf der linken Seite (des politischen Spektrums) wirst und du bereit bist, dort zu stehen und deinen Kopf hinzuhalten und die Pfeile auf dich zu nehmen, erarbeitest du dir eine gewaltige Menge Respekt, sogar von denen, die die Pfeile werfen.“

Er stehe mit Herz und Seele hinter der Aufgabe, mit der ihn Romney betraue, versicherte Ryan. Der studierte Ökonom wuchs in Janesville in Wisconsin auf und lebt jetzt noch in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem er seine Kindheit verbrachte. Sein Vater starb an einem Herzanfall, als Ryan ein Teenager war. Wohl auch deswegen entwickelte sich der Sohn zu einem Fitness-Fan: Schon frühmorgens treibt er seine Mitstreiter zum Sport an.

Ryan ist mit der Steueranwältin Janna Little verheiratet, in deren Verwandtschaft sich nach einem Bericht der „New York Times“ prominente Vertreter der US-Demokraten finden. Demnach ist Little eine Cousine des demokratischen Abgeordneten Dan Boren aus dem Staat Oklahoma, der wiederum der Sohn des früheren demokratischen Senators David Boren ist. Ryan und Little haben drei gemeinsame Kinder – eine Tochter und zwei Söhne im Alter zwischen sieben und zehn Jahren.

( dapd/nbo )