Frauengold-Kolumne

Lebensläufe und Plagiate – So faul ist die Politik

| Lesedauer: 4 Minuten
Birgitta Stauber
Das ist das Gehalt der deutschen Politiker

Das ist das Gehalt der deutschen Politiker

Die deutschen Politiker tragen viel Verantwortung und treffen tagtäglich wichtige Entscheidungen. Wie sich das auszahlt, sehen Sie im Video.

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Baerbock hat den Lebenslauf frisiert, Giffey bei ihrer Doktorarbeit zu viel abgeschrieben. Und Amthor und Co. liegen auf der Lauer.

Fließend Englisch? Na klar. Und dann war ja noch die Spanisch-AG. Und der Volkshochschulkurs Italienisch. Und Französisch, sogar viele Jahre, aber da war die Note schlecht. Ob das Latinum zählt? Ach, was soll’s: Schreiben wir doch mal fünf Fremdsprachen in den Lebenslauf.

Aus dem Kassiererinnenjob wird die Businesstätigkeit, aus der Joggingrunde ab und zu wird das Hobby Triathlon. Ein bisschen Tuning beim Lebenslauf, ein wenig Hochstapelei – wer will das überprüfen?

Meist nehmen es diejenigen locker, die sich schon durch die Schule schummeln. Und dann an der Uni darauf vertrauen, dass die Professorin zu faul ist, zu überprüfen, ob der Text der Hausarbeit auf dem eigenen Mist gewachsen ist. Die ihre Doktorarbeit neben dem Job mit links (ab)schreiben. Und dann mit großem Selbstbewusstsein auf der Karriereleiter hochsteigen.

Blöd nur, dass es dank Internet nicht nur für Betrügerinnen und Betrüger leicht ist, das eigene Leben kreativ chic zu machen, sondern auch für die Jäger, die nachforschen, aufdecken. Klar trifft es eher die aufstrebende Politikerin, die das Interesse der Plagiatsjäger weckt, als den kleinen Anwalt an der Ecke.

Korruption, Kungelei, Geldgier: die Goldgräberstimmung in der Pandemie

So sauber Angela Merkel in dieser Hinsicht ist: In ihrer Endphase kommen etliche zweifelhafte Charaktere in der Union ans Licht. Es geht um knallharte Korruption, Kungelei mit despotischen Regimen, Vetternwirtschaft. Allesamt Begriffe, die gefühlt irgendwie nicht nach Deutschland passen, eher, sagen wir, nach Aserbaidschan. Aber von dort kommen ja die Beziehungen, mit denen im Frühjahr Politiker aufflogen.

Und dann die Sache mit den Masken­deals: Wie können es Politiker einer demokratischen Volkspartei wagen, in der Krise in eine Art Goldgräberstimmung zu verfallen und ihre Beziehungen nutzen, um sechsstellige „Provisionen“ einzuheimsen?

Das Phänomen ist generationenübergreifend: Schließlich fallen Namen wie Alfred Sauter (60, „A Hund is a scho“), Mark Hauptmann (37) oder Nikolas Löbel (35). Und noch vor der Pandemie bremste sich der aufstrebende Philipp Amthor (28) mit einer Lobbyismussaffäre aus.

Erholt Spahn sich in seiner Villa in Berlin-Dahlem?

Derzeit reibt sich die Regierungskoalition an Jens Spahn auf. Der Gesundheitsminister steht unter Verdacht, er habe schlecht geprüfte Masken an Obdachlose und sozial Schwache abgeben wollen. Nun ist Spahn unter Druck, vielleicht fehlt ihm gar die Zeit, sich im Garten seiner Vier-Millionen-Villa im Berliner Snob-Viertel Dahlem zu erholen.

Kommen wir zu Franziska Giffey, SPD. Sie traut sich, Spitzenkandidatin von Berlin zu bleiben, trotz Plagiatsaffäre, trotz Aberkennung ihres Doktortitels. Wie will sie die Hauptstadt, die auch ein wichtiger Wissenschaftsstandort ist, mit diesem Manko regieren?

Irgendwie ist ganz schön viel faul in der Politik. Der Bundestag hat nun immerhin beschlossen, Bestechung von Abgeordneten als Verbrechen zu werten und Lobbyismus und Bereicherung erschwert. Deswegen ist es gut und richtig, empfindlich zu sein, wenn diejenigen, die nach ganz oben streben, allzu großzügig ihre Vita aufhübschen.

Armin Laschet hat die Klausuren seiner Studenten verbummelt

Der eine, Armin Laschet, erwähnt seinen unrühmlich geendeten Lehrauftrag an der Hochschule Aachen (RWTH) nicht (er hatte Klausuren verloren und verteilte dann 35 Noten an 28 Prüflinge), die andere, Annalena Baerbock, verfiel mit ungenauen bis falschen Angaben einer verführerischen Selbstoptimierung, mit der sie womöglich mangelnde Regierungs- und Lebenserfahrung wettmachen wollte.

Ich fang bei mir an und lass das mit den fünf Sprachen. Die Wahrheit ist: Meine Kinder lachen über mein Schulenglisch. Von meinem Französisch-Leistungskurs ist in meinem Kopf kaum noch etwas vorhanden. Wie von meinem Latinum. Aber ich kann italienische Speisekarten lesen.

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