Superwahljahr

Baden-Württemberg: Kretschmann vor historischem Erfolg?

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Alessandro Peduto
Das ist Winfried Kretschmann

Das ist Winfried Kretschmann

Wir stellen den ersten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vor.

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Seit zehn Jahren ist Winfried Kretschmann (72) erster und einziger grüner Landeschef. Seine Chancen stehen gut, dass er es bleibt.

Stuttgart/Berlin. Winfried Kretschmann will sich nicht neu erfinden. „Sie kennen mich“, steht auf Plakaten, mit denen der Grünen-Politiker aktuell um Stimmen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg kämpft. Der Slogan dürfte vielen bekannt vorkommen. Auch CDU-Kanzlerin Angela Merkel warb mit diesen Worten im Bundestagswahlkampf 2013 um das Vertrauen der Wähler – und hatte damit am Ende Erfolg.

Der dürfte auch Kretschmann am kommenden Wahlsonntag kaum noch zu nehmen sein. Die Grünen im Südwesten steuern laut Umfragen auf ein historisches Ergebnis zu. In den Prognosen liegt die Partei im „Ländle“ bei rekordverdächtigen 33 bis 35 Prozentpunkten und damit weit vor allen Konkurrenten, besonders vor dem Hauptmitbewerber CDU.

Kretschmann: Seit 10 Jahren erster und einziger grüner Landeschef

Seit zehn Jahren regiert der 72-jährige Schwabe Kretsch­mann als nach wie vor einziger grüner Ministerpräsident der Republik. Interne Kritiker werfen ihm vor, ein bisschen zu sehr wie ein CDUler rüberzukommen. Andere glauben dagegen, dass genau dies Kretschmanns Erfolgsrezept ist. Mit seiner bodenständigen Art überzeugte er in der Vergangenheit auch Wähler, die früher eher der Union zugetan waren. Lesen Sie hier:Winfried Kretschmanns Frau an Brustkrebs erkrankt

Ohnehin mag man es im Südwesten nicht sonderlich, wenn es in der Politik allzu großspurig und deftig zugeht wie beim bayerischen Nachbarn. Fleiß, Bescheidenheit und eine gewisse Zurückhaltung im Auftreten gelten den Menschen in Schwaben und Baden als Tugenden. Und Kretschmann erfüllt als Politiker diese Erwartungen.

CDU mit Susanne Eisenmann droht heftige Wahlschlappe

Der studierte Biologielehrer, der zu Studienzeiten zeitweise kommunistischen Gruppierungen nahestand, gilt heute als durch und durch wertkonservativer Realpolitiker. Damit verärgert er mitunter besonders die eigene Parteiführung in Berlin, etwa, wenn er als mächtiger Regierungschef des reichen Industrie- und Autolandes Baden-Württemberg ein Herz für den klimafeindlichen Dieselmotor zeigt und damit das umweltpolitische Credo der Grünen beiseiteschiebt. Lesen Sie hier: Die Grünen: Wichtige Fragen und Antworten zur Partei

Historisch dürfte die Wahl am kommenden Sonntag auch für die CDU in ihrem einstigen Stammland werden – allerdings mit entgegengesetzter Tendenz im Vergleich zu den Grünen: Falls die Union mit ihrer Herausforderin Susanne Eisenmann wie zuletzt vorhergesagt bei nur 24 bis 25 Prozent landen sollte, wäre dies das schlechtestes CDU-Ergebnis im Südwesten seit fast sieben Jahrzehnten. Eisenmann ist derzeit Kultusministerin in Kretschmanns grün-schwarzem Kabinett, sie tritt also gegen ihren Chef an.

Nach der Wahl 2016 empfanden es viele in der stolzen Südwest-CDU als Demütigung, dass die langjährige Regierungspartei erstmals nur noch Juniorpartner in einer Koalition wurde. Jedoch gilt es nicht als ausgemacht, dass die Grünen bei einem erneuten Wahlsieg am Sonntag das Bündnis mit der CDU fortsetzen. Auch eine Ampel mit SPD und FDP sei eine Option, betont die Grünen-Landeschefin Sandra Detzer. Der Union bliebe in diesem Fall nur die Oppositionsbank im Stuttgarter Landtag. Lesen Sie hier: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Für Dreyer sieht es gut aus

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