„Tichys Einblick“

Sexistische Äußerung: Roland Tichy gibt Stiftungs-Vorsitz ab

Publizist Roland Tichy gibt den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab. Mit sexistischen Äußerungen vergraulte er zuvor Dorothee Bär.

Der Journalist Roland Tichy gibt den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab.

Der Journalist Roland Tichy gibt den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab.

Foto: Jan Woitas / dpa

Berlin. Der in die Kritik geratene Journalist Roland Tichy gibt den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab. Er werde bei der Mitgliederversammlung am 30. Oktober - dem Ende seiner turnusgemäßen Amtszeit - nicht zur Wiederwahl stellen, teilte der Vorstand der Stiftung am Donnerstag in einem Schreiben an die Mitglieder mit. Gründe wurden in dem Rundschrieb nicht genannt.

Zuvor hatte Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitales, ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung aus Protest gegen den Vorsitzenden Roland Tichy gekündigt. Zu den Hintergründen sagte sie dem „Handelsblatt“: „Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin „Tichys Einblick“, die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält.“

Die SPD-Politikerin Chebli bemüht sich im selben Berliner Wahlkreis wie der amtierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) um eine Bundestagskandidatur.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hat als Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung den angekündigten Rückzug des Vorsitzenden Roland Tichy als „zwingend erforderlich“ bewertet. „Sexistisch-frauenfeindliche Artikel sind mit den Grundsätzen und Zielen der Stiftung definitiv nicht vereinbar“, sagte Heinen-Esser am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Dorothee Bär nannte Äußerung von Roland Tichy „unerträglich“

In dem Magazin „Tichys Einblick“ heißt es unter einem Bild von Chebli unter anderem: „Was spricht für Sawsan?(...) Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer.“

„Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar“, erklärte Staatsministerin Bär zu ihrem Austritt. Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren.

„Sofern die Stiftung einen Vorsitzenden hat, unter dessen Federführung solche Texte veröffentlicht werden, kann und will ich sie nicht weiter unterstützen. Es zeigt eine gesellschaftspolitische Geisteshaltung, die ich nicht akzeptiere.“

Chebli bedankte sich via Twitter bei Bär für deren „klare Haltung“ und schrieb: „Wir dürfen nicht länger Sexismus hinnehmen. Wir brauchen aber auch die Männer, die mit uns an einem Strang ziehen.“

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie der Vorsitzende der Mittelstandsunion Carsten Linnemann hatten am Donnerstag angekündigt, mit sofortiger Wirkung ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung ruhen zu lassen. (dpa/les)

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