Konjunkturpaket

Kinderbonus in Corona-Krise: Das sollten Sie darüber wissen

In der Corona-Krise hat die Regierung einen Kinderbonus über 300 Euro beschlossen. Das müssen sie über die Konjunkturhilfe wissen.

Roller oder Spülmaschine – das kaufen Eltern vom Kinderbonus

300 Euro zahlt der Staat Familien für jedes kindergeldpflichtige Kind. Doch der Bonus muss versteuert werden. Eltern erzählen, was sie davon halten und wie sie das Geld einsetzen.

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Berlin. 
  • Die Bundesregierung hat zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ein milliardenschweres Konjunkturpaket beschlossen
  • Teil des Pakets ist ein Kinderbonus in Höhe von 300 Euro, der mit dem Kindergeld ausgezahlt wird
  • Unabhängig vom Einkommen bekommen Eltern den Bonus für jedes Kind
  • Wird der Bonus auf Hartz 4 angerechnet? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Corona-Kindergeld-Bonus

Der Bundestag und der Bundesrat haben am Montag dem Corona-Konjunkturpaket zugestimmt. Für Familien ein Grund sich zu freuen. Denn sie erhalten im Zuge des Pakets einen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro.

Auch wenn er für viele Eltern eine Erleichterung ist, so gab es dennoch auch viel Kritik am geplanten Kinderbonus als Teil des großen Konjunkturpakets. Zu mickrig für bedürftige Familien oder Eltern in Kurzarbeit, nicht zielgenau genug, mehr Kitaplätze und eine rasche Rückkehr zum normalen Schulbetrieb seien sinnvoller, lauteten Einwürfe gegen das Prestigeprojekt von Familienministerin Franziska Giffey.

Kindergeld-Extra: Was sich Giffey erhofft

Die Sozialdemokratin hielt energisch dagegen. „Die 300 Euro sind ein zusätzlicher Bonus, der natürlich als Konjunkturimpuls gedacht ist. Nicht als stressnehmender Faktor, sondern als zusätzliche Unterstützung für Familien, um Kaufkraft zu steigern“, sagte Giffey vergangene Woche im „Morgenmagazin“ der ARD. Lesen Sie auch: Kabinett beschließt Kinderbonus und Mehrwertsteuer-Senkung

Außerdem gebe es viele weitere Maßnahmen, um Eltern in der schwierigen Corona-Zeit über die Runden zu helfen. So komme der Kinderzuschlag von 185 Euro pro Monat als Notfallhilfe für betroffene Familien seit 1. April mehr als 200.000 Kindern zugute. Auch könnten Eltern nun deutlich länger (bis zu 20 Wochen) vom Staat 67 Prozent ihres Nettogehalts bekommen, falls sie wegen der Kinderbetreuung aktuell überhaupt nicht arbeiten können.

Aber zurück zum Kinderbonus. Eine Übersicht mit den wichtigsten Fragen:

Kinder-Bonus wegen Corona – die Eckdaten

Alle Kindergeld berechtigten Eltern sollen den Bonus von 300 Euro pro Kind einmalig erhalten. Giffey hatte in der vergangenen Woche zunächst angeregt, dass der Bonus in drei monatlichen Raten ausgezahlt wird. „Dann würden auf dem Kontoauszug für die Kindergeldzahlung nicht die 204 Euro stehen, sondern über drei Monate 304 Euro.“ Doch inzwischen hat Finanzminister Olaf Scholz (SPD), der für die Auszahlung des Kindergeldes zuständig ist, sich für ein anderes Modell entschieden. Erfahren Sie hier: Wann kommt das Corona-Extra-Kindergeld aufs Konto?

Auch für Kinder, die in diesem Jahr erst noch geboren werden, und für Kinder, deren Kindergeldanspruch in den vergangenen Monaten seit Januar bereits erloschen ist oder demnächst erlischt, gibt es die 300 Euro. Kindergeldanspruch besteht bis zu einem Alter von höchstens 25 Jahren, solange die Kinder in der Ausbildung sind.

„Das Ergebnis des Koalitionsausschusses ist ein großer familienpolitischer Erfolg“, erklärte Giffey. „Das Wohl der Familien steht auf der Prioritätenliste weit oben.“ Bei der Umsetzung müsse jetzt darauf geachtet werden, dass er die gewünschten Impulse für die Gleichstellung von Männern und Frauen setzt. Darüber hinaus profitieren Familien ebenfalls von der Senkung der Mehrwertsteuer. Die Kosten der Maßnahme bezifferte Giffey auf 4,3 Milliarden Euro.

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Lohnt sich der Kinderbonus für alle Eltern?

Das hängt vom Einkommen ab. Die 300 Euro extra pro Kind werden bei der Einkommensteuer mit den steuerlichen Kinderfreibeträgen verrechnet. Nicht verheiratete Eltern profitieren nach einer Modellrechnung des Bundesfinanzministeriums bei einem Kind und einem maximalen Einkommen von rund 33.900 Euro in voller Höhe vom Kinderbonus. Mit Anzahl der Kinder steigt die Einkommensgrenze. Verheiratete Eltern profitieren bis zu einem Einkommen von rund 67.800 Euro in voller Höhe.

Für Besserverdiener lohnt sich der Bonus häufig jedoch gar nicht, weil sie mit den Steuerfreibeträgen (7812 Euro pro Kind) besser fahren. Das Finanzamt prüft bei der Steuererklärung, ob die Eltern mehr vom Kindergeld oder vom Freibetrag hätten. So werden die 7812 Euro pro Kind vom zu versteuernden Bruttoeinkommen abgezogen.

Verheiratete Eltern, die beim Finanzamt Ehegattensplitting angeben, haben ab einem Einkommen von knapp 86.000 Euro rechnerisch nichts mehr von dem 300-Euro-Bonus, sie profitieren stärker von den Freibeträgen. Mit zwei Kindern steigt diese Grenze auf knapp 94.000 Euro, mit drei Kindern auf rund 106.000 Euro. Fachleute heben hervor, dass der Kinderbonus vor allem Eltern mit geringen und mittleren Einkommen zugute kommen werde.

Kinderbonus: Mehr Geld auch für Alleinerziehende

Für Alleinerziehende sieht das von Union und SPD ausgehandelte Konjunkturpaket vor, wegen des höheren Betreuungsaufwandes und der damit verbundenen Aufwendungen in der Corona-Krise den Entlastungsbetrag von derzeit 1908 Euro auf 4000 Euro für die Jahre 2020 und 2021 anzuheben.

• Analyse: Wer vom Corona-Konjunkturpaket profitiert

Wird der Bonus auf Hartz IV angerechnet?

Nein. Deshalb gibt es Lob von Wohlfahrtsverbänden. Die 300-Euro-Prämie sei „ganz gut gestaltet“, weil sie nicht auf die Grundsicherung angerechnet werde und mit steigendem Einkommen abschmelze, sagte der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. Ganz zufrieden ist er dennoch nicht. „Trotzdem ist das keine Bekämpfung der Kinderarmut“, sagte er. „Die bleibt auf der Tagesordnung. Denn dieses riesige Schuldenpaket, das muss von unseren Kindern und unseren Enkeln getragen und abgetragen werden.“

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Gibt es noch andere Hilfen für Familien?

Ja. Für den Ausbau der Kapazitäten der Kitas wird nach Giffeys Worten zusätzlich eine Milliarde Euro bereitgestellt. Die Einrichtungen müssten erweitert, um- und neugebaut werden.

Das Geld steht für die Ausbaumaßnahmen zur Verfügung, die 2020 und 2021 stattfinden. Damit ist die Schaffung von bis zu 90.000 weiteren Betreuungsplätzen in Kitas und der Kindertagespflege möglich. Die Mittel können auch für Umbaumaßnahmen zur Verbesserung der Hygienesituation eingesetzt werden.

Zudem will der Bund das Investitionsprogramm für den Ausbau der Ganztagsbetreuung beschleunigen. Länder, die Mittel für Investitionen in den Jahren 2020 und 2021 abrufen, erhalten die entsprechende Summe in den späteren Jahren der Laufzeit zusätzlich. Daneben gebe es auch einen „Investitionsimpuls“ für das digitale Lernen und den Ganztagsunterricht.

• Kommentar: Der Kinderbonus ist nicht mehr als ein Schmerzensgeld

Schulen sollen Präsenzunterricht und E-Learning verbinden

Alle Schulen sollten in die Lage versetzt werden, Präsenzunterricht in der Schule und E-Learning zu Hause miteinander zu verbinden. Dafür wird im Digitalpakt Schule der Katalog der förderfähigen Investitionen erweitert. Zusätzlich zum Sondervermögen für den Ganztagsausbau von zwei Milliarden Euro werden nun weitere zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen wie Jugendherbergen, Einrichtungen der Jugendbildung, Familienferienstätten oder Schullandheime bekommen Überbrückungshilfen, damit sie in der Corona-Krise ihre Existenz sichern können. Darüber hinaus wird es für sie 2020 und 2021 ein Kredit-Sonderprogramm geben. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau wird eine Milliarde Euro bereit stellen. (jb/AFP)

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