Kommentar

Corona-Krise: Söders bittere Pille für die Bundesregierung

Bayerns Ministerpräsident Söder prescht in der Corona-Krise voran und schränkt Freiheiten der Bürger ein. Er handelt, wo andere zögern.

Corona-Krise: Söder warnt vor Ausverkauf der deutschen Wirtschaft

Bayerns Ministerpräsaident Markus Söder (CSU) warnt vor einem Ausverkauf der deutschen Wirtschaft in der Corona-Krise. Es müsse mit allen Mitteln gegen Übernahmeangebote aus dem Ausland vorgeangen werden, sagte er in München.

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Berlin. Hart, härter, Söder. Bayerns Ministerpräsident gibt den Takt vor und hat sich – zumindest für die Öffentlichkeit – unter den Ministerpräsidenten zum Leitwolf in der Corona-Krise aufgeschwungen. Kein Regierungschef drückt so aufs Tempo wie er.

Mit seinem einseitigen Vorpreschen bei der Ausgangssperre kommt er als erster den Forderungen der Virologen nach. In Bayern ist der Zeitdruck auch besonders groß. Das Land ist wie NRW stark betroffen und durch seine Nähe zu Italien besonders gefährdet.

Söders Schritt ist aber auch eine Botschaft an die Kanzlerin und alle Ministerpräsidenten-Kollegen. Sie lautet: Was wir tun, reicht nicht. Es muss schneller und konsequenter gehen! Der Vorstoß ist offenbar nur mit einigen abgesprochen. Die anderen Länder werden wohl zähneknirschend folgen müssen.

Söders Handeln ist eine Ohrfeige für die Bundesregierung

Dass Markus Söder politisch von der Macher-Rolle profitiert – geschenkt. So etwas kann Bürgern, die sich um ihr Leben sorgen, völlig egal sein. Wichtiger ist, dass er handelt und manche Beruhigungspille abräumt, die der Bundesgesundheitsminister verabreicht hat.

Dass Bayern jetzt im Alleingang Atemschutzmasken fertigen und Staats-Depots für Sanitätsprodukte anlegen lässt, ist eine Ohrfeige für die Bundesregierung. Schon längst fragen sich Kliniken und Hausärzte, was die da oben eigentlich erzählen, wenn es vor Ort an einfacher Schutzausrüstung fehlt. Was nutzt der Stolz auf die hohe Zahl an Intensivbetten, wenn es zu wenig Personal gibt oder Hausärzte sich im Obi-Malerkittel vor Viren schützen müssen?

Das offizielle „Wir-sind-bestens-gerüstet“-Bild hat jetzt hässliche Risse. Das mögen einige Ministerpräsidenten unsolidarisch finden. Aber wenn Söders Alleingang die anderen zum Nachziehen zwingt, Infektionsraten senkt und die Bürger besser schützt, ist er einfach nur richtig.

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