Ermittlungen

Terrorverdacht in Berlin und Lübeck – Festnahme und Razzia

In Berlin ist ein Syrer wegen Terrorverdachts von Spezialkräften festgenommen worden. Der Mann soll einen Bombenanschlag geplant haben.

Syrer in Berlin wegen Terrorverdachts verhaftet

Der Mann soll laut Staatsanwaltschaft Berlin Mitglied einer islamistischen Chat-Gruppe gewesen sein, die Terroranschläge begehen wollte.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Er wird verdächtigt, einen Terroranschlag geplant zu haben: Eine Spezialeinheit der Polizei hat am Dienstag in Berlin einen Syrer festgenommen. Er soll sich im Internet über den Bau von Bomben informiert und ausgetauscht haben und Bestandteile von Sprengstoff beschafft haben.

„Zweck des Chatverkehrs soll die Vorbereitung von Terroranschlägen gewesen sein“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Dienstag mit. Spezialkräfte der Bundespolizei fassten den Mann am Dienstagmorgen.

Syrer soll Bomben-Bestandteile beschafft haben

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegen den Mann. Zudem sei die Wohnung des Verdächtigen in Berlin durchsucht worden, teilte die oberste deutsche Anklagebehörde weiter mit.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wird der Mann als radikaler Islamist eingestuft. Er soll seit Januar 2019 begonnen haben, Bauteile und Chemikalien für den Bau einer Bombe zu beschaffen. „Diese sollte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort in Deutschland gezündet werden, um eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen“, teilte Sprecher Markus Schmitt am Dienstag mit.

Unter anderem soll der Verdächtige im August Aceton und im September Wasserstoffperoxidlösung gekauft haben. Beide Chemikalien werden zur Herstellung des hochexplosiven Sprengstoffs Triacetontriperoxid (TATP) benötigt.

Verdächtiger chattete über Plastiksprengstoff und Paketbomben

Laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft soll der Syrer seit dem Frühjahr 2019 neunmal in einer Messenger-Gruppe, die der Terrororganisation IS nahesteht, Anleitungen zum Bau von Waffen und zum Herstellen von Sprengstoff ausgetauscht haben. Bei den Chats ging es demnach um Plastiksprengstoff, Paket- und Magnetbomben sowie „Türfallen mit Explosivstoffen“. Thema waren demnach auch Kalaschnikow-Sturmgewehre, Maschinenpistolen und weitere Schusswaffen.

Der Haftbefehl wurde in Berlin wegen des Verdachts der Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ausgestellt. Karlsruhe ermittelt parallel wegen des Verdachts der Vorbereitung einer derartigen Tat.

Verschiedene Angaben über Alter des Terror-Verdächtigen

Über das Alter des Mannes gab es verschiedene Angaben: Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft gab 37 Jahre an, die Bundesanwaltschaft sprach von 26 Jahren. Zunächst konnte der Widerspruch nicht geklärt werden.

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios hatte die Polizei den Mann mehrere Monate im Visier. Die ersten Hinweise sollen von einem ausländischen Geheimdienst an das Bundesamt für Verfassungsschutz gegeben worden sein. Der Zugriff sei durch die bekannte Spezialeinheit GSG 9 erfolgt. Die Berliner Staatsanwaltschaft machte dazu zunächst keine Angaben.

Anti-Terror-Razzia in Lübeck

Ebenfalls am Dienstag beschäftigte eine Terror-Ermittlung die Polizei in Lübeck. Am Morgen durchsuchten Spezialkräfte einen Gebäudekomplex im Stadtteil Genin wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

„Wir hatten Waffen vermutet, aber keine gefunden“, sagte die Sprecherin der für solche Delikte in Schleswig-Holstein zuständigen Flensburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp, der Deutschen Presse-Agentur. Es seien andere Beweismittel sichergestellt worden, Festnahmen habe es nicht gegeben.

Ob die Sicherheitsbehörden von der Möglichkeit eines Terroranschlags ausgingen, ließ Gropp aus ermittlungstaktischen Gründen offen: „Es war kein konkretes Anschlagsziel bekannt.“

Im Dezember 2016 hatte der islamistische Terrorist Anis Amri in Berlin bei einem Anschlag mit einem Lkw zwölf Menschen getötet. Im Oktober war eine zum Islam konvertierte Deutsche unter Terrorverdacht in Paris festgenommen worden. Seit 2010 haben deutsche Behörden 13 Terroranschläge verhindert.

(dpa/moi/br)