Umfrage

Union: Deutsche trauen Merz am ehesten Kanzlerkandidatur zu

Exklusiv-Umfrage: Die Deutschen trauen Friedrich Merz am ehesten die Kanzlerkandidatur der Union zu. Die CDU-Chefin sehen wenige vorne.

Friedrich Merz im November 2018 in Stuttgart. Laut einer neuen Umfrage, die unsere Redaktion in Auftrag gegeben hat, trauen die Deutschen dem früheren Fraktionschef am ehesten die Kanzlerkandidatur der Union zu.

Friedrich Merz im November 2018 in Stuttgart. Laut einer neuen Umfrage, die unsere Redaktion in Auftrag gegeben hat, trauen die Deutschen dem früheren Fraktionschef am ehesten die Kanzlerkandidatur der Union zu.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Berlin. Regulär findet die nächste Bundestagswahl im Herbst 2021 statt, doch es könnte erheblich schneller gehen. Dann nämlich, wenn die SPD mit neuem Spitzenduo den Ausstieg aus der großen Koalition sucht. Im Dezember, auf dem Parteitag der Sozialdemokraten in Berlin, fällt eine Richtungsentscheidung. CDU und CSU müssen auf alles vorbereitet sein.

Kanzlerkandidat der Union ist in der Vergangenheit meist der CDU-Vorsitzende geworden – vom „Erstzugriffsrecht“ ist die Rede. Dieses Mal könnte es allerdings anders kommen. Wie umstritten Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer in den eigenen Reihen ist, zeigte die Führungsdebatte nach der verlorenen Thüringen-Wahl (21,8 Prozent) am vergangenen Sonntag. Am Ende dürften die Spitzen von CDU und CSU ausloten, mit welchem Kandidaten die Union die größten Chancen hat. Dabei spielen Umfragen eine wesentliche Rolle.

Das Meinungsforschungsinstitut Kantar hat im Auftrag unserer Redaktion die Namen von sechs Spitzenpolitikern zur Wahl gestellt, die als mögliche Kanzlerkandidaten der Union gelten. 20 Prozent der Befragten sagen jedoch, dass sie keinem der Genannten eine erfolgreiche Bewerbung zutrauen, im Osten Deutschlands sind es sogar 28 Prozent. Das Vertrauen in das Spitzenpersonal ist demnach überschaubar.

Wer wird Kanzlerkandidat der Union? So schnitten die Politiker ab:

Annegret Kramp-Karrenbauer (57): Die CDU-Vorsitzende liegt nicht gut im Rennen um die nächste Kanzlerkandidatur. Die Antwort auf den Youtuber Rezo, der Umgang mit dem CDU-Rechtsausleger Hans-Georg Maaßen, zuletzt der nicht abgestimmte Vorstoß zu einer internationalen Schutzzone in den syrischen Kurdengebieten – AKK, wie sie genannt wird, hat immer wieder Zweifel an ihren Fähigkeiten geweckt. Das spiegelt sich auch in der Kantar-Umfrage: Gerade neun Prozent nennen sie als aussichtsreichste Kanzlerkandidatin, unter den Anhängern der Union sind es immerhin 14 Prozent.

Markus Söder (52): Der Nachfolger von Horst Seehofer als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident hat Ambitionen auf die nächste Kanzlerkandidatur wiederholt bestritten – Söder ist noch frisch in höchsten Ämtern. Die einzigen Kanzlerkandidaten der CSU waren bisher Franz Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002), beide unterlagen. Söder halten acht Prozent aller Befragten für den aussichtsreichsten Bewerber. Im Unionslager indes holt der CSU-Chef mit 16 Prozent das zweitbeste Ergebnis.

Jens Spahn (39): Als Gesundheitsminister hat sich das CDU-Präsidiumsmitglied mit einer Vielzahl von Projekten – etwa zur Parität in der Krankenversicherung – in kurzer Zeit einen guten Ruf erarbeitet. Bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden erzielte er gegen Kramp-Karrenbauer und den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz einen Achtungserfolg (15,7 Prozent im ersten Wahlgang). In der Kantar-Umfrage erreicht Spahn mit zehn Prozent den zweiten Platz, im Unionslager kommt er mit 13 Prozent auf Rang vier.

Armin Laschet (58): Der CDU-Vizevorsitzende regiert als Ministerpräsident das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen – in einer Koalition mit der FDP. Er verfügt aber auch über enge Kontakte zu den Grünen, gehörte in der Bonner Republik der schwarz-grünen „Pizza-Connection“ an. Besonders gut versteht sich Laschet mit CSU-Chef Söder, der in der Frage der Kanzlerkandidatur ein gewichtiges Wort mitzureden hat. In der Gesamtbevölkerung erreicht er neun Prozent, im eigenen Lager 13 Prozent – wie auch unter Grünen-Wählern. Besser schneidet Laschet in der Anhängerschaft von SPD (18 Prozent) und FDP (23 Prozent) ab.

Daniel Günther (46): Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, der 2017 überraschend die SPD ablöste und seither in Kiel eine Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP anführt, gilt als Zukunftshoffnung der CDU. Mit mancher Wortmeldung – etwa zu Bündnissen mit der Linkspartei – ist er in den eigenen Reihen angeeckt. Für den aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten halten ihn nur vier Prozent, unter den Anhängern der Union sind es mit acht Prozent nicht viel mehr.

Friedrich Merz (63): Der frühere Vorsitzende der Unionsfraktion und knapp unterlegene Bewerber um den CDU-Vorsitz schneidet bei den Deutschen am besten ab: 23 Prozent glauben, dass die Union mit Merz als Kanzlerkandidaten bei der nächsten Bundestagswahl die besten Chancen hat. Im Lager der CDU/CSU sind es 26 Prozent.

Kredit verspielt hat Merz in der eigenen Partei, als er die Schuld für das CDU-Debakel in Thüringen der Bundesregierung von Angela Merkel („grottenschlechtes Erscheinungsbild“) zuschob. Inwieweit sich die Merz-Tirade bereits in der Kantar-Umfrage niederschlägt, lässt sich schwer bestimmen. Klar ist jedenfalls: Bei Frauen ist das Vertrauen in Merz geringer als bei Männern (20 zu 26 Prozent).