Technik

Berlin-Anschlag: Lkw offenbar durch Bremsautomatik gestoppt

Ein automatisches Bremssystem im Lkw könnte weitere Morde beim Anschlag in Berlin verhindert haben. Das berichten verschiedene Medien.

Ein Lastwagen ist auf einen Berliner Weihnachtsmarkt gelenkt worden. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen.

Ein Lastwagen ist auf einen Berliner Weihnachtsmarkt gelenkt worden. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Ein automatisches Bremssystem hat einem Medienbericht zufolge die Fahrt des Berliner Anschlags-Lkw gestoppt. Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR kam das Fahrzeug nur deshalb nach 70 bis 80 Metern zum Stehen, weil die Zugmaschine mit einer Bremsautomatik ausgerüstet war. Zu diesem Ergebnis sei die Ermittlergruppe „City“ gekommen, die unter Leitung des Generalbundesanwalts den Anschlag vom 19. Dezember auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche aufklären soll. Dabei hatte der mutmaßliche Terrorist Anis Amri zwölf Menschen getötet.

Das automatische Bremssystem reagiert dem Bericht zufolge auf einen Aufprall und betätigt von selbst die Bremsen. Diese Technik habe nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen Leben gerettet. Bei einem ähnlichen Anschlag im französischen Nizza am 14. Juli 2016 waren auf der Uferpromenade mehr als 80 Passanten getötet worden.

Polnischer Lkw-Fahrer war schon verwundet

Zunächst war spekuliert worden, der eigentliche Lkw-Fahrer habe Schlimmeres verhindert, indem er dem Täter ins Lenkrad griff. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde der Pole allerdings schon Stunden vor dem Anschlag durch einen Kopfschuss verwundet.

Weiter heißt es in dem Medienbericht, im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin sei zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal über Amri gesprochen worden. Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor der Tat entstanden, würden seinen Werdegang in Deutschland beschreiben.

Amri verschickte offenbar kurz vor der Tat Nachrichten

Demnach suchte er im Internet Anleitungen für den Bau von Rohrbomben und die Herstellung von Sprengstoffen wie etwa TNT. Zudem suchte er im Februar offenbar Kontakt zum „Islamischen Staat“ und soll sich als Selbstmordattentäter angeboten haben. Mindestens zwei Mal wurde dem Bericht zufolge im GTAZ die Frage diskutiert, ob Amri einen konkreten Anschlag in Deutschland plane. Beide Male wurde dies als unwahrscheinlich eingestuft.

Nur wenige Minuten vor der Tat soll Amri zudem aus dem Führerhaus des Lastwagens mit einem Glaubensbruder gechattet haben. Amri schrieb dem Bericht zufolge: „Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich mein Bruder, bete für mich.“ Dann verschickte er demnach noch ein Selfie von sich aus dem Lkw.

Auch der „Focus“ berichtete, Amri habe zehn Minuten vor dem Anschlag noch Sprachnachrichten und Fotos verschickt. Das Magazin berief sich auf Sicherheitskreise. Die Nachrichten des mutmaßlichen Attentäters sollen an Gesinnungsgenossen aus Berlin und dem Ruhrgebiet gegangen sein. Unter den Empfängern soll demnach ein 40-jähriger Tunesier gewesen sein, der am Mittwoch in Berlin festgenommen wurde.

Sind Flüchtlinge krimineller als Deutsche?

(dpa)