Exklusiv-Umfrage

Flüchtlingskrise wird 2017 die größte Herausforderung

Die Deutschen sehen die Flüchtlingskrise einer Umfrage zufolge als größte Herausforderung 2017 – aber trauen Merkel noch am meisten zu.

Die Deutschen schauen nicht sehr optimistisch in die Zukunft.

Die Deutschen schauen nicht sehr optimistisch in die Zukunft.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Berlin.  Die Deutschen wünschen sich für das neue Jahr mehr Sicherheit – in den unterschiedlichsten Bereichen ihres Alltags: Da ist vor allem die große Verunsicherung über die hohe Zahl der Flüchtlinge, da ist aber auch die Angst vor zu wenig materieller Versorgung im Alter. Die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag unserer Redaktion zeigt, dass das Schutzbedürfnis ein elementares Thema im Wahljahr 2017 ist.

Als größte politische Herausforderung nannten die Deutschen mehrheitlich die Flüchtlingskrise. 30 Prozent sagten, der Flüchtlingszustrom müsse weiter begrenzt werden. Im Osten waren es sogar 33 Prozent (Westen: 30 %). Und Männer (34 %) nannten es öfter als Frauen (26 %).

Auch wenn die Zahl der Schutzsuchenden in diesem Jahr deutlich unter 2015 lag, als rund 900.000 Flüchtlinge kamen, steht die Politik hier vor schwierigen Aufgaben: Hunderttausende Asylanträge sind nicht abgearbeitet, es gibt Probleme bei Abschiebungen, der Familiennachzug kann zu neuen Belastungen führen. Auch Sicherheitsfragen stellen sich. Die Befragung wurde am 20. Und 21. Dezember durchgeführt, also nach dem Terroranschlag von Berlin und zu einem Zeitpunkt, an dem bekannt war, dass ein als Flüchtling eingereister Islamist als Tatverdächtiger galt.

Deutsche sorgen sich um die Rente

Sorgen um ihre Sicherheit haben die Deutschen auch mit Blick auf ihre Versorgung im Alter: 25 Prozent bezeichneten die Sicherung der Renten als wichtigste Aufgabe der Politik - im Westen (26 %) hat das Thema noch mehr Bedeutung als im Osten (21 %), und für Frauen (29 %) viel mehr als für Männer (21 %). Ohne private Zusatzvorsorge droht Millionen von Deutschen Altersarmut. Auch das Bestreben der Bundesregierung, das Rentenniveau bis 2045 auf 46 Prozent zu halten und den Beitragssatz bis dahin nicht über 25 Prozent steigen zu lassen, lässt die Deutschen offenbar weiter zweifeln: Kann die normale Rente fürs Leben im Alter reichen?

Die Deutschen fürchten auch um das eigene Hab und Gut. 17 Prozent wünschen sich von der Politik, die Kriminalität – etwa Wohnungseinbrüche – einzudämmen. Seit Jahren steigen vor allem die Zahlen der Einbruchskriminalität. Immer öfter sind reisende Banden dafür verantwortlich, die organisierte Kriminalität ist längst ein deutsches Problemthema.

Während 15 Prozent die Abwendung einer neuen Eurokrise als größte Herausforderung angaben, war lediglich acht Prozent eine Senkung der Steuerlast am wichtigsten. Vier Prozent wollten sich für keines der fünf zur Auswahl gestellten Politikfelder festlegen beziehungsweise machten keine Angabe.

CSU-Chef landet vor SPD-Chef Gabriel auf dem zweiten Platz

Nur wem trauen die Deutschen die Lösung dieser Probleme zu? 56 Prozent sagten: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Dahinter rangieren mit einigem Abstand CSU-Chef Horst Seehofer (39 %), SPD-Chef Sigmar Gabriel (35 %) und der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (32 %), der wie Gabriel als möglicher Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten gehandelt wird.

Aufschlussreich ist auch das Vertrauen in die Spitzenkräfte der kleineren Parteien: Hier kommt Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir auf 25 Prozent, gefolgt von Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht (20 %) und FDP-Chef Christian Lindner (15 %). Schlusslicht ist AfD-Chefin Frauke Petry mit gerade mal zehn Prozent. Die AfD wird demnach als reine Protestpartei wahrgenommen - und weniger als glaubwürdige politische Alternative.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.