Berlin-Anschlag

Nach Amris Tod suchen die Behörden seine Komplizen

| Lesedauer: 9 Minuten
Walter Bau
Die IS-nahe Medienplattform „Amaq Agency“ veröffentlichte ein Video, das Amri in der Zeit vor dem Anschlag zeigen soll.

Die IS-nahe Medienplattform „Amaq Agency“ veröffentlichte ein Video, das Amri in der Zeit vor dem Anschlag zeigen soll.

Foto: Screenshot:Twitter

Nach dem Berlin-Anschlag setzt sich Anis Amri nach Italien ab – und wird in Mailand erschossen. Die Fahndung läuft trotzdem weiter.

Berlin/Mailand.  Drei Uhr nachts im Mailänder Außenbezirk Sesto San Giovanni, direkt am Bahnhof, Piazza 1. Maggio. Zwei Polizisten fahren Streife in dem Stadtteil direkt am Bahnhof, Cristian Morio (36) und Luca Scatà (29). Ihnen fällt ein Mann auf, er ist allein unterwegs, zu Fuß in der Dunkelheit, er passt auf die Beschreibung des Terrorverdächtigen Anis Amri.

Die Polizisten steigen aus ihrem Wagen aus, fragen den jungen Mann nach seinen Papieren. Dann geht alles sehr schnell. Der Mann zieht aus seinem Rucksack oder einer Tasche eine Pistole, ein Kleinkaliber 22. Ohne zu zögern feuert er auf die beiden Beamten. So berichten italienische Medien wie der „Corriere della Sera“ über die Nacht, in der die beiden Polizisten den mutmaßlichen Terroristen Anis Amri erschossen.

Amri ruft „Polizei-Bastarde“

Polizist Morio wird durch einen Schuss an der Schulter verletzt. Der Angreifer verschanzt sich hinter einem geparkten Wagen, schreit „Polizei-Bastarde“ und schießt erneut. Zwei Schüsse feuert Polizist Scatà ab, eine Kugel trifft Amri in den Brustkorb. Er liegt am Boden, auf dem Asphalt der Straße. Augenzeugen am Bahnhof berichten, dass die beiden Polizisten den mutmaßlichen Terroristen noch wiederbeleben wollen. Doch Amri stirbt. Scatà ist erst seit neun Monaten im Polizeidienst, er ist noch in der Probezeit.

Der Schusswechsel in Mailand beendet die europaweite Jagd nach dem Mann, der zwölf Menschen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt getötet und fast 50 weitere verletzt haben soll. Fotos von Amri hingen in jedem Polizeirevier, gingen durch alle Medien – und trotzdem ging der 24-jährige Tunesier seinen Verfolgern durch die Lappen. So gesehen lag NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zumindest mit einer Einschätzung goldrichtig: Amri sei „hochmobil“, hatte Jäger gesagt.

Amris Weg führte wohl über Paris

Tatsächlich zeigte sich der Gesuchte mobiler als ungezählte Sondereinsatzkommandos, die ihn tagelang bundesweit aufzuspüren versuchten. Spezialeinheiten hatten Wohnungen und Einrichtungen in mehreren Bundesländern gestürmt. Alle Einsätze blieben erfolglos. Während die Ermittler im Dunkeln tappten, saß Amri schon im Zug.

Sein genauer Fluchtweg war bisher unklar. Einiges spricht dafür, dass er über Paris führte. Bestätigen wollte das niemand. „Die Bewegungsdaten sind eminent wichtig für die weiteren Ermittlungen“, sagte ein Sprecher des Bundesgerichtshofes auf Anfrage unser Redaktion. Man werde Täterwissen nicht kommunizieren. In jedem Fall setzte sich Amri zunächst nach Frankreich ab. Eine Station: Chambéry am Fuße der Savoyer Alpen. Von dort flüchtete der Tunesier über die italienische Grenze, gelangte über Turin nach Mailand, seiner Endstation.

Fahndung nach Helfern geht weiter