NSU-Prozess

Opfer-Familien nehmen Zschäpes Entschuldigung nicht an

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Beate Zschäpe hat mir ihrer Aussage bei den Angehörigen der NSU-Opfer ausschließlich für Unmut gesorgt.

Beate Zschäpe hat mir ihrer Aussage bei den Angehörigen der NSU-Opfer ausschließlich für Unmut gesorgt.

Foto: MICHAEL DALDER / REUTERS

„Erbärmlich“ und „lächerlich“: Mit Wut und Enttäuschung haben Angehörige der NSU-Opfer auf die Aussage von Beate Zschäpe reagiert.

Hamburg/München.  „Wenn sie geschwiegen hätte, wäre es besser gewesen.“ Mit Enttäuschung und Wut haben Angehörige von Mordopfern des NSU auf die Aussage von Beate Zschäpe im Prozess vor dem Oberlandesgericht München reagiert. „Es ist schrecklich. Ich hab’ keine Worte dafür“, sagte Abdulkerim Simsek, Sohn des ersten NSU-Mordopfers Enver Simsek, am Mittwoch nach dem Ende des Verhandlungstages. Er wünschte sich, Zschäpe hätte weiter geschwiegen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte er. „Diese Erklärung war so erbärmlich, einfach nur lächerlich.“

„Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und allen Angehörigen der Opfer der von Mundlos und Böhnhardt begangenen Straftaten“, hatte die mutmaßliche Neonazi-Terroristin von Anwalt ihrem Mathias Grasel verlesen lassen. Nach jahrelangem Schweigen im NSU-Prozess hatte Zschäpe am Mittwoch ausgesagt. In der Erklärung, die Grasel verlas, bestritt sie jede Beteiligung an den Morden und Sprengstoffanschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).

Die Entschuldigung nehme er gar nicht wahr, sagte der sichtlich aufgewühlte junge Mann. So ging es auch den Eltern des in Kassel ermordeten Halit Yozgat. „Da ihre Aussage eine Lüge ist, akzeptieren wir auch ihre Entschuldigung nicht“, sagte sein Vater Ismail Yozgat, der mit seiner Frau nach München gereist war und ebenfalls sehr emotional auf die Aussage Zschäpes reagierte.

Angehörige der Opfer nenne Aussage „Lüge“ und „Frechheit“

Auch Gamze Kubasik, Tochter des 2006 in Dortmund ermordeten Kioskbetreibers Mehmet Kubasik, wies die Entschuldigung zurück. Sie sei „eine Frechheit, vor allem wenn sie dann noch verbunden wird mit der Ansage, keine unserer Fragen zu beantworten“, sagte sie. „Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort.“

Die Anwältin Gül Pinar, die die Familie des Hamburger Opfers Süleyman Tasköprü vertritt, zeigte sich ebenfalls enttäuscht von Zschäpes Erklärung. „Ihre Aussage war sehr detaillos. Insbesondere zu Hamburg hat sie überhaupt nichts gesagt, also nicht einmal den Namen Süleyman Tasköprü in den Mund genommen“, sagte Pinar dem Radiosender NDR 90,3. „Ich finde, dass der Zeitpunkt einer Entschuldigung so spät kommt, das ich ihr das nicht abnehmen kann.“ Das sehe nach Taktik aus. „Ich finde, dass der Zeitpunkt einer Entschuldigung so spät kommt, dass ich ihr das nicht abnehmen kann.“

NSU-Ausschuss des Bundestags gibt sich unbeeindruckt

Auf die Arbeit des neuen NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag habe die Aussage Zschäpes laut Clemens Binninger (CDU) keine Auswirkungen. „Dadurch hat sich nichts an unserem Auftrag und unserer Agenda geändert“, sagte der Ausschussvorsitzende. Zschäpes Erklärung habe keinerlei zusätzlichen Erkenntnisgewinn gebracht. „Die drängendsten Fragen sind nach wie vor unbeantwortet.“ Eine Bewertung der Aussage im Detail sei Sache des Oberlandesgerichtes München und nicht des Ausschusses.

Zschäpe muss sich vor dem Oberlandesgericht München als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde. (dpa)

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