Kommentar

Die perfide Choreografie der Beate Zschäpe

Martin Debes
Am 244. Verhandlungstag im NSU-Prozess will der Anwalt von Beate Zschäpe eine umfassende Aussage seiner Mandantin verlesen.

Am 244. Verhandlungstag im NSU-Prozess will der Anwalt von Beate Zschäpe eine umfassende Aussage seiner Mandantin verlesen.

Foto: Peter Kneffel / dpa

243 Verhandlungstage lang hüllte sich Beate Zschäpe im NSU-Prozess in Schweigen. Am Mittwoch will sie sich nun doch äußern.

München.  Von Anfang an war darüber spekuliert worden, zuletzt hatten sich die Gerüchte verdichtet. Nun, am Mittwoch, ist es so weit: Beate Zschäpe will ihre Geschichte jener Terrorgruppe erzählen, die sich Nationalsozialistischer Untergrund nannte.

Was immer auch die Frau, die unter anderem wegen zehn Morden angeklagt ist, von ihrem neuen Verteidiger Mathias Grasel verlesen lassen wird: Dieser 244. Verhandlungstag dürfte die Mechanik des größten Prozess der jüngeren deutschen Geschichte verändern.

Somit ist es wieder Beate Zschäpe, deren perfider Choreografie sich alle zu beugen haben. Nicht das Gericht, nicht die Bundesanwaltschaft und schon gar nicht die Nebenkläger dominieren diesen Prozess: Es ist die Hauptangeklagte, die Tempo und Themen vorgibt.

Nach zweieinhalb Jahren bricht Zschäpe ihr Schweigen

Zweieinhalb Jahre schaute die mutmaßliche Terroristin schweigend zu, wie Gericht und Öffentlichkeit versuchten, ihr Handeln, ihre Motive, ja ihr Innerstes zu erforschen. Mehrfach flehten Angehörige der Ermordeten sie an, sich endlich jenen Fragen zu stellen, die nur sie beantworten kann.

Doch Zschäpe blieb stumm. Keine Regung, keine Reue, nichts. Stattdessen demontierte sie vorsätzlich ihre Verteidigung und versuchte, den Prozess zum Platzen zu bringen.

Doch so viele Nerven sie damit alle Beteiligten kostete: Am Ende lief sie damit auf. Mühselig, aber diszipliniert wurde vor Gericht die Indizienkette immer dichter zusammengefügt. Zschäpes Verurteilung ist nur eine Frage der Zeit.

Nun, sehr spät, will die Angeklagte mit einer halben Aussage das scheinbar Unabänderliche noch ändern. Es ist wohl zu spät.

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