Rechtsextremismus

NSU markierte Anschlagsziele auf Stadtplänen

Die Markierungen wiesem auf türkische oder muslimische Vereine hin. Auch Standorte von Banküberfällen waren eingetragen.

Beate Zschäpe ist Hauptangeklagte im NSU-Prozess.

Beate Zschäpe ist Hauptangeklagte im NSU-Prozess.

Foto: Peter Kneffel / dpa

München.  Im NSU-Prozess hat das Münchner Gericht am Mittwoch damit begonnen, zahlreiche Stadtpläne und Notizen aus den Hinterlassenschaften des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ auszuwerten. Die Papiere stammen teilweise aus dem Schutt der ausgebrannten Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau. Andere befanden sich in dem Wohnmobil, in dem sich die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 nach einem missglückten Banküberfall das Leben genommen haben sollen.

Als Zeugen waren Kriminalermittler geladen, die die Papiere präsentierten. Zu sehen waren mehrere Karten thüringischer und bayerischer Städte. Auf Karten aus Arnstadt und Eisenach seien die Standorte der beiden letzten Banküberfälle eingetragen gewesen, die dem NSU zugeschrieben werden, sagte eine Kriminaloberkommissarin des Wiesbadener Bundeskriminalamtes.

Adressen möglicher Anschlagsofer markiert

Auf den Rückseiten hätten sich detaillierte Lageskizzen befunden. In der Zeichnung der Eisenacher Sparkasse, nach deren Überfall das Trio aufgeflogen war, habe sich zudem ein Hinweis auf den Tresor gefunden. Handschriftlich sei dort vermerkt gewesen: „Vermutlich Tresor. 200 Euroschein geholt“.

Auf Stadtplänen von München und Nürnberg seien dagegen überwiegend Adressen möglicher Anschlagsopfer markiert gewesen. Die Adressen seien mit einem elektronischen Kontaktverzeichnis aus dem Bestand des NSU abgeglichen worden, sagte ein Ermittler. Dabei habe sich herausgestellt, dass die markierten Ziele zu türkischen oder muslimischen Vereinen gehörten. Auch das türkische Generalkonsulat in Nürnberg sei mit einem Kreuz gekennzeichnet gewesen. Die handschriftlichen Notizen stammten nach seiner Kenntnis von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, sagte der Beamte.

Jenaer Staatsschützer im Prozess vernommen

Auch ein Ermittler der Kriminalinspektion Jena wurde am Mittwochmorgen vernommen. Er sollte über die Flucht des Trios im Jahr 1998 Auskunft geben. Auf zahlreiche Nachfragen der Verteidigung Wohlleben antwortete der Beamte allerdings nur zögerlich. An Ermittlungsverfahren wegen einschlägiger Delikte erinnere er sich nicht.

Hauptangeklagte in dem Prozess ist Beate Zschäpe. Sie muss sich als mutmaßliche Mittäterin für die zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem NSU vorwirft. Ralf Wohlleben ist für die Beschaffung der Mordwaffe der Terrorgruppe vom Typ „Ceska“ angeklagt.