ZDF-Sommerinterview

Beim Thema Flüchtlinge zeigt Horst Seehofer plötzlich Nerven

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Walter Bau
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU, links) beim Sommerinterview mit ZDF-Moderator Thomas Walde

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU, links) beim Sommerinterview mit ZDF-Moderator Thomas Walde

Foto: Jens Hartmann / dpa

Das ZDF lädt den bayrischen Regierungschef zum Sommerinterview. Beim Thema Flüchtlinge gerät Horst Seehofer aus der Fassung.

Das Betreuungsgeld - von Verfassungsgericht kassiert. Die Maut - nach Kritik aus Brüssel auf Eis gelegt. Die bayerischen Minister in Berlin - blass und ohne Zugkraft. Nein, für die CSU läuft es gerade nicht rund.

Doch was schert die Bayern der Rest der Republik!? "Wir sind ja nicht irgendein Bundesland", verkündet trotzig Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer, "wir sind der Freistaat Bayern!"

Ins malerische Altmühltal hat das ZDF den Münchner Regierungschef zum Sommerinterview eingeladen. Hier, in Walting - 2285 Einwohner, Bischofsstab im Ortswappen, kein SPD-Vertreter im Gemeinderat - ist die weiß-blaue CSU-Welt noch weitgehend in Ordnung. Die Probleme sind überschaubar, mit dem Breitbandausbau geht's voran. Doch Seehofer sieht sich als Mann fürs große Ganze und deshalb plaudert er im Biergarten vor historischer Fachwerkkulisse gern über die Bundespolitik. Vor allem über den Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern, den die Christsozialen als neues Profilierungsthema für sich entdeckt haben.

Der CSU-Chef zeigt Nerven

Und dabei zeigt der CSU-Chef plötzlich Nerven. Warum er denn in letzter Zeit nicht mal ein Flüchtlingsheim besucht habe, will ZDF-Mann Thomas Walde gleich zu Beginn von Seehofer wissen. Solch ein Besuch könne ja ein wichtiges Zeichen sein, gegen Ausgrenzung und Fremdenhass. Seehofer weicht aus: So etwas mache er ohne die TV-Kameras. Er wolle nicht "auf dem Rücken der Flüchtlinge Öffentlichkeitsarbeit betreiben".

Walde hakt nach: War er nun in einem Heim oder nicht? Darauf Seehofer schon leicht genervt: "Es gibt Dinge, die ich für mich behalte." Und überhaupt, er wisse schon "was in der Lebensrealität los ist", keine Sorge.

So richtig fuchsig wird der CSU-Vorsitzende dann, als Walde ihm ein Zitat aus dem Februar vorhält. "Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt", hatte Seehofer damals in einem Interview gesagt. So ähnlich hat man das auch bei der AfD und auf Pegida-Plakaten lesen können.

"Das ist ein ein Journalismus, den ich nicht für qualitätsorientiert halte", fährt Seehofer seinen Gesprächspartner an. "Sie ziehen hier einen einzelnen Satz heraus", protestiert er, die Äußerung müsse man schließlich "im Zusammenhang" sehen.

"Eine große Völkerwanderung"

Welcher Zusammenhang solch einen Satz rechtfertigt, das sagt er auch. Europa erlebe gerade "eine große Völkerwanderung", so Seehofer. Schon sein Generalsekretär Andreas Scheuer hatte kürzlich vor einer "neuzeitlichen Völkerwanderung" gewarnt.

Tatsächlich drängen täglich Tausende Flüchtlinge via Griechenland und Mazedonien oder übers Mittelmeer in die EU, auf der Suche nach Sicherheit und einem besseren Leben als daheim in Syrien, in Eritrea oder im Irak. Dazu kommen die Flüchtlinge aus Balkanstaaten wie Serbien oder dem Kosovo.

Was will Seehofer dagegen tun? Seehofer fordert zum wiederholten Male, Flüchtlinge aus so genannten "sicheren Herkunftsländern" müssten schneller abgeschoben werden. "In Wochen und nicht in Monaten" müsse über einen Asylantrag entschieden werden, jedenfalls "wesentlich schneller" als bisher. Darüberhinaus sollen Flüchtlinge aus Ländern wie Serbien und Bosnien-Herzegowina künftig weniger Geldleistungen vom Staat erhalten und auch "nicht mehr die Höhe der Sozialleistungen wie in der Vergangenheit". Seehofer fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Denn: "All dies können wir nur in Berlin entscheiden." Dazu ist Bayern allein dann doch zu klein.

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