Demografie

Die Bevölkerung in Ostdeutschland schrumpft drastisch

Bis 2030 könnten nur noch 11 Millionen Menschen in Ostdeutschland leben. Viele Wegzüge bewirken schon heute einen Männerüberschuss.

Eein leerstehendes Haus im Zentrum von Loitz (Mecklenburg-Vorpommern) im Landkreis Vorpommern-Greifswald. In vielen Regionen Ostdeutschlands gibt es bereits heute einen deutlichen Männerüberschuss

Eein leerstehendes Haus im Zentrum von Loitz (Mecklenburg-Vorpommern) im Landkreis Vorpommern-Greifswald. In vielen Regionen Ostdeutschlands gibt es bereits heute einen deutlichen Männerüberschuss

Foto: Stefan Sauer / dpa

Abwanderung und wenige Geburten haben dafür gesorgt, dass die Bevölkerung Ostdeutschlands in den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung drastisch geschrumpft ist.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben heute noch rund 12,5 Millionen Menschen in den fünf neuen Bundesländern (ohne Berlin). Das sind 2,3 Millionen weniger als zu Zeiten der Wiedervereinigung vor 25 Jahren.

Allein durch Abwanderung in die alten Bundesländer - und zwar als Differenz zwischen Wegzug und Zuzug - verloren die Ost-Bundesländer effektiv rund 1,2 Millionen Einwohner, wie die Statistiker errechneten.

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Bis 2030, so die Prognose, könnten es nur noch etwa 11 Millionen Einwohner zwischen Rostock und Suhl sein. Grund sind unter anderem die vielen weggezogenen jungen Frauen in der Generation, die einige Jahre vor und nach der Wiedervereinigung geboren wurde. Bezogen auf die Zahl der Geburten pro Frau hat der Osten inzwischen mit dem Westen etwa gleichgezogen und kommt auf einen Durchschnittswert zwischen 1,4 und 1,5 Kinder pro Frau. 1994 war die Geburtenrate nur halb so hoch.

Berlin als Magnet für junge Ostdeutsche

In den Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung ist Berlin nicht berücksichtigt. Die Bundeshauptstadt gilt als Magnet auch für junge Ostdeutsche.

Dass es derzeit kaum noch Einwohnerverluste durch Abwanderung in Ostdeutschland gibt, sei auch den geburtenschwachen Jahrgängen geschuldet, heißt es in der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes: „Da die besonders mobile junge Bevölkerung in den neuen Ländern zahlenmäßig stark abnimmt und sich somit das Abwanderungspotenzial reduziert, wird auch die Ost-West-Wanderung geringer ausfallen.“

Männerüberschuss in Ostdeutschland

In Ostdeutschland gibt es in vielen ländlichen Regionen durch die Abwanderung junger Frauen einen Männerüberschuss. In allen fünf ostdeutschen Ländern leben weniger Frauen als Männer in der betrachteten Altersgruppe zwischen 18 und unter 40 Jahren. Eine Auswahl einiger Kreise mit einem hohen Defizit junger Frauen:

Elbe-Elster: 809 Frauen pro 1000 Männer

Oberspreewald-Lausitz: 825 Frauen pro 1000 Männer

Prignitz: 817 Frauen pro 1000 Männer

„Die ländlichen Räume Ostdeutschlands weisen ein großes Defizit an jungen Frauen auf, das selbst auf europäischer Ebene beispiellos ist“, heißt es in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Wiesbaden) zu Ursachen und Folgen der Abwanderung aus den fünf neuen Bundesländern.

"Das ist eine Folge der Wanderungsbewegungen - erst zwischen Ost und West und jetzt zwischen Land und Stadt“, sagt Manuel Slupina vom Berlin-Institut. Auch in ländlichen Regionen im Westen gebe es weniger Frauen. „Aber längst nicht in diesem Ausmaß.“

Der Männerüberschuss hat seine Ursache in den besonders mobilen ostdeutschen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Und in ihren im Vergleich zu Jungen tendenziell besseren Schulabschlüssen - darin sind sich alle Wissenschaftler einig. Die jungen Frauen packten vor allem in den Regionen die Koffer, die abseits der größeren Städte und der Pendlerregionen entlang der Landesgrenzen zu Bayern, Hessen oder Niedersachsen liegen.

In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gebe es viele Kreise mit bis zu 25 Prozent mehr Männern als Frauen, konstatiert das Bundesinstitut in Wiesbaden. „Das gilt vor allem für strukturschwache Regionen.“ Die Herausforderungen dort durch die schrumpfende und älter werdende Bevölkerung sind groß: für den Arbeitsmarkt durch Fachkräftemangel, für Sozialsysteme, Infrastruktur, öffentliche Kassen bis hin zu rechtsextremen Tendenzen in von Männern geprägten Regionen.

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