SPD-Kampagne

Plakatserie mit Fotos der Kanzlerin sorgt für Hohn und Spott

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Florian Kain

Foto: Getty Images

Generalsekretäre von FDP und CDU belustigen sich über die Werbelinie der Sozialdemokraten. Auch Berlins SPD-Spitzenkandidatin Eva Högl hält nicht viel von den Anti-Merkel-Motiven.

In der SPD gibt es Kritik an den am Montag präsentierten Wahlplakaten der Parteiführung, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in verschiedenen Posen zeigen.

„Ich halte mehr davon, die Themen und Personen der SPD in den Vordergrund zu stellen“, sagte Berlins SPD-Spitzenkandidatin Eva Högl der Berliner Morgenpost. Högl tritt in Mitte als Direktkandidatin an. „Wir plakatieren jedenfalls überwiegend Eva Högl und sicher nicht die Kanzlerin“, bekräftigte die Politikerin.

Steinbrücks Konterfei ist fast nicht zu sehen

Die SPD-Wahlkampfmanagerin Andrea Nahles hatte in der Parteizentrale Plakatmotive vorgestellt, von denen allein drei die Kanzlerin zeigen. Auf einem der Bilder sucht Angela Merkel etwas in ihrer Handtasche. In Anspielung auf ihr Verhalten in der Spähaffäre lautet der Slogan darunter: „Privatsphäre – Neuland für Merkel?“. Ein anderes Motiv zeigt Merkel mit Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) auf der Regierungsbank. Beide scheinen frustriert – vielleicht auch nur erschöpft – zu sein. Darunter steht der Slogan: „Beste Regierung seit der Einheit...?“.

Das Konterfei des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ist hingegen nur auf einem der neuen Plakate zu entdecken, die seit Montag auch in den sozialen Foren des Internets für hämische Kommentare sorgen.

Kurswechsel in der Kampagne

Tatsächlich markiert die Motivserie einen Kurswechsel in der Kampagnenplanung der Sozialdemokraten. Denn noch 2012 hatte der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel bei der Vorstandsklausur in Potsdam – auch mit Blick auf Merkels Beliebtheit bei den Deutschen – betont: „Es geht nicht um einen Wahlkampf gegen die Kanzlerin Merkel“. Die Gegner seien die Finanzmärkte und die soziale Spaltung in Deutschland.

Steinbrück sagte nun, es gehe der SPD um eine inhaltliche, nicht aber verletzende Auseinandersetzung. So versteht auch der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz die umstrittene Kampagne. Er sagte der Morgenpost: „Ich finde es schon richtig, dass meine Partei auf Bundesebene die Auseinandersetzung mit der Regierung Merkel sucht.“ Die dazu ausgesuchten Motive seien hierfür ein „geeignetes stilistisches Mittel“. So wie er die Kanzlerin einschätze, erwarte diese auch überhaupt nicht, dass man sie im Bundestagswahlkampf mit Glacéhandschuhen anzufassen habe. Schulze geht überdies davon aus, dass Steinbrücks Konterfei in einer späteren Werbephase noch stärker zum Einsatz kommt.

„SPD will Ergebnis von 2009 unterbieten“

Bei der Konkurrenz sorgt der Kampagnenstart unterdessen für Spott. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte der Morgenpost: „Die SPD plakatiert jetzt Angela Merkel, das zeugt doch von Respekt. Dem Urteil der Wählerinnen und Wähler stellen wir uns gern.“ Sein FDP-Kollege Patrick Döring ergänzte: „Die SPD arbeitet weiter daran, das Ergebnis von 2009 noch zu unterbieten. Die US-Importe Negative Campaigning und Haustürwahlkampf werden von den Menschen in Deutschland nachweislich nicht gewollt.“ Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping kam zu dem Schluss: „Es ist offenkundig, dass sich die SPD für ihren Kandidaten schämt. Wir erleben eine Abberufung auf Raten. Ich rechne nicht damit, dass Steinbrück nach der Wahl noch eine Rolle spielt.“