SPD-Kanzlerkandidat

Peer Steinbrück trennt sich von Sprecher Donnermeyer

Der SPD-Kanzlerkandidat will nicht mehr mit seinem Sprecher zusammenarbeiten. Mit Michael Donnermeyer, der früher Berliner Senatssprecher war, habe es „nicht funktioniert“, heißt es.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sich nach nur wenigen Monaten nach Informationen der „Welt“ von seinem Sprecher Michael Donnermeyer (53) getrennt. Steinbrück werde bereits am Montagmittag einen Nachfolger vorstellen, der bisher als Journalist gearbeitet habe, hieß es am Montag aus Parteikreisen. Mit Donnermeyer habe es „nicht funktioniert“.

Steinbrück bestätigte die Entlassung am Mittag. „Das ist eine ziemliche harte und schwierige Entscheidung gewesen“, sagte er am Montag in Berlin. Man habe ein intaktes persönliches Verhältnis, aber der Wahlkampf habe „höchsten professionellen Abwägungen zu folgen“. Es gehe um die bestmögliche Aufstellung für die letzten 100 Tage. Steinbrück dankte Donnermeyer für seine Arbeit.

Nachfolger wird der langjährige Politik-Journalist der „Bild“-Zeitung, Rolf Kleine. Er fühle sich geehrt, sagte Kleine zu der neuen Aufgabe.

Unmut in der Partei über Pannen

Seit Monaten gab es immer wieder Unmut in der Partei über Pannen in der Kampagne Steinbrücks, die zum Teil auch Donnermeyer angelastet wurden. Etwa die Aussage des Kanzlerkandidaten in einem Interview, dass eine Kanzlerin oder ein Kanzler zu wenig verdiene – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss.

Donnermeyer war von 2002 bis 2007 Sprecher der Berliner SPD und von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, dann ging der Politstratege in die Energiewirtschaft. Er war Geschäftsführer des Informationszentrums (IZ) Klima.

Bereits 1998 hatte er für den späteren Kanzler Gerhard Schröder die erfolgreiche Wahlkampagne Kampa organisierte. Steinbrück hatte Donnermeyer im Herbst 2012 in sein Team geholt.

Donnermeyer hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass die Talsohle für Steinbrück durchschritten sei – aber parteiintern wurde ihm vorgehalten, der Kampagne zu wenig Schwung zu verleihen und mögliche Stolperfallen oft nicht rechtzeitig zu erkennen.

Neue Mitglieder des SPD-Wahlkampfteams

Für Steinbrück verliefen die vergangenen Monate sehr enttäuschend. In der SPD wurde Donnermeyer dafür verantwortlich gemacht, dass das Bild des Kanzlerkandidaten in der Öffentlichkeit beschädigt war. Der Kanzlerkandidat gab in Berlin die letzten drei Mitglieder seiner aus sechs Frauen und sechs Männern bestehenden Wahlkampfmannschaft bekannt.

Die Investmentbankerin und frühere saarländische Finanzministerin Christiane Krajewski übernimmt in seinem Kompetenzteam das Thema Wirtschaft. Die 64-Jährige war bis 1999 Finanzministerin in Saarbrücken und arbeitet inzwischen für die Investmentbank Leonardo & Co in Frankfurt. Sie war in den 1980er und 1990er Jahren eine politische Weggefährtin des damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine, der damals noch der SPD angehörte.

Für die Entwicklungspolitik soll Cornelia Füllkrug-Weitzel zuständig sein, die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt.

Für die Kulturpolitik holte Steinbrück Oliver Scheytt in sein Team. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH, die das Ruhrgebiet 2010 mit Essen als Europäische Kulturhauptstadt präsentiert hatte.

Die Felder Außenpolitik und Finanzen ließ Steinbrück unbesetzt. Dieser Themen will er sich als Kanzlerkandidat selbst annehmen.