Parteigeburtstag

Die SPD wird 150 – auf der Suche nach roten Spuren in Berlin

Im Mai 1863 wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet, die erste sozialdemokratische Parteiorganisation. Ihr Herz schlug allerdings in Berlin. Eine Spurensuche.

Es war im Mai 1863, als sich Ferdinand Lassalle von seiner Wohnung an der Bellevuestraße 13 (Tiergarten) aus auf den Weg nach Leipzig machte, um dort mit zwölf Verbündeten den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) zu gründen. Die Historiker sind sich einig, dass dieser Verein, der so winzig mit einer Handvoll Mitgliedern begann, die erste sozialdemokratische Parteiorganisation war, die es überhaupt im deutschen Sprachraum gab.

Auch wenn der Hauptsitz des ADAV zunächst Berlin war, so begeben sich die Genossen – historisch korrekt – an diesem Donnerstag dennoch auf Wanderschaft in die sächsische Metropole, um ihres eigentlichen Gründungsakts zu gedenken. Sicher, es ist ein Schönheitsfehler, dass das „Pantheon“, in dem sich die Herren seinerzeit zum ersten „Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Congress“ versammelten, nicht mehr steht. Aber dem Erfolg der großen 150-Jahr-Sause mit allerlei Politprominenz dürfte das Fehlen der Originalkulisse keinen Abbruch tun. Schließlich wird die historische Bedeutung der SPD weit über die Parteigrenzen hinaus anerkannt. Das zeigt sich daran, dass auch die übrigen im Bundestag vertretenen Parteien ihre Teilnahme an dem Festakt in Leipzig zugesagt haben. Allen voran Bundespräsident Joachim Gauck sowie Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel.

„Nichts von dem, was an Freiheit und Demokratie und auch an sozialem Ausgleich in unserem Land heute möglich ist, gäbe es ohne die deutsche Sozialdemokratie“, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Zwar habe auch seine Partei „nicht per se immer alles richtig gemacht“, doch stehe „die älteste demokratische Partei Europas wie keine andere dafür, dass nicht allein die Herkunft über das Leben der Menschen entscheiden darf“.

François Hollande als Stargast

Stargast der Veranstaltung ist der französische Staatspräsident François Hollande, der neben Gabriel als Hauptredner auftritt. Gabriel verwies dazu auf die historischen Bindungen zwischen SPD und französischen Sozialisten. Schon in der NS-Zeit hätten viele verfolgte Sozialdemokraten in Frankreich mit deren Hilfe Unterschlupf gefunden, darunter auch Otto Wels, nachdem er Hitler mit seiner Reichstagsrede gegen dessen Ermächtigungsgesetz Paroli geboten hatte.

Bereits vor dem eigentlichen Festakt im Gewandhaus wollten sich sozialdemokratische Staats- und Regierungschefs sowie Partei- und Regierungsvertreter Europas am Mittwoch in Leipzig treffen. Und es war eine noble Geste, dass sich Merkel hinter den Kulissen dafür einsetzte, dass der Europäische Rat in Brüssel rechtzeitig vorher enden soll, um es allen zu ermöglichen, dabei zu sein.

Über Europa hinaus geht der Kreis, der zur Gründung der sogenannten Progressive Alliance am Mittwoch eingeladen war. Diese lockere Plattform soll etwa 70 sozialdemokratische und ihnen nahestehende politische Kräfte weltweit zusammenführen – bis hin zur Demokratischen Partei der USA und der brasilianischen Arbeiterpartei. Sie soll damit eine Alternative zur in die Jahre gekommenen Sozialistischen Internationale bieten, die wegen verknöcherter bis korrupter Strukturen und der Mitgliedschaft zweifelhafter vor allem afrikanischer Machthaber nur noch als wenig vorzeigbar gilt. Umrahmt wird der Veranstaltungsreigen in Leipzig von einem bunten Kulturprogramm. Auf dem Festakt selbst treten unter anderem die Schauspieler Iris Berben und David Kross, das Leipziger Symphonieorchester sowie die New Yorker A-cappella-Band Naturally 7 auf.

Mitte August ist dann aber doch noch ein großes Fest in Berlin geplant. Das mag mit den Gesetzen des Wahlkampfs zu tun haben, angemessen ist es allemal. Denn die Hauptstadt ist ein zentraler Geschichtsort der deutschen Sozialdemokratie. Die Berliner Morgenpost hat sich auf Spurensuche begeben.

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