Sicherheit

Verdächtiger Brief an Bundespräsident Gauck gesprengt

In Schloss Bellevue ist am Freitag ein an Bundespräsident Joachim Gauck adressierter Brief abgefangen und im Park kontrolliert gesprengt worden. Der Inhalt war allerdings ungefährlich.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Ein verdächtiger Brief an Bundespräsident Joachim Gauck hat in Berlin für erhebliche Aufregung gesorgt. Nachdem die Sendung am Freitagvormittag die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte im Schloss Bellevue erregt hatte, wurden Spezialkräfte zur Entschärfung des vermeintlichen Sprengsatzes gerufen. Sie machten den Brief im Park des Amtssitzes unschädlich. Am Abend gab das Innenministerium Entwarnung: Es habe sich nicht um explosives Material gehandelt.

Wie ein Sprecher des Präsidialamtes mitteilte, hielt sich Gauck zu der kritischen Zeit nicht in seinem Berliner Amtssitz auf. Hinweise auf den Absender oder den möglichen Hintergrund gab es am Freitag zunächst nicht. Der Generalbundesanwalt wurde informiert, zog den Fall zunächst aber nicht an sich, weil unklar war, ob es einen politischen Hintergrund gibt.

Erste Informationen, dass es sich bei dem Pulver um die Substanz HMTD gehandelt habe, waren schon am Nachmittag nicht bestätigt worden. Entdeckt worden war der Brief mit seinem mysteriösen Inhalt bei einem Röntgentest in der Poststelle Alarm geschlagen. Bei zwei weiteren Tests, mit denen die Substanz näher bestimmt werden sollte, sei angezeigt worden, dass es sich um Sprengstoff handele. Aus Sicherheitsgründen sei der Brief dann gesprengt worden. Das Bundespräsidialamt rief seine Mitarbeiter der Poststelle zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Paket mit Schwarzpulver an Merkel

Der Fall erinnert an einem Alarm im Kanzleramt am 2. November 2011. Damals war in der Poststelle eine Paketbombe mit Schwarzpulver entdeckt worden, die an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) adressiert war. Kriminaltechniker des BKA beschossen die Bombe mit einer Wasserkanone und entschärften sie. Die Spur führte seinerzeit nach Griechenland. Auch andere europäische Regierungen bekamen ähnliche Briefe.

Die Sendung an Gauck war nicht der einzige Zwischenfall: Am Donnerstag war eine an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) adressierte Sendung abgefangen worden. Sie enthielt eine handelsübliche Flasche mit Buttersäure, eine Einwegspritze ohne Nadel und Plastikhandschuhe. Zuvor waren auch in den USA Briefe an Politiker verschickt worden. Erst am Dienstag hatten die US-Behörden eine Sendung mit dem tödlichen Gift Rizin an US-Präsident Barack Obama abgefangen.

BKA fürchtet fanatisierte Einzeltäter

Die Motivation für solche Aktionen ist unterschiedlich. Es gibt dafür keine Muster, es können auch Trittbrettfahrer sein. Die Behörden fürchten vor allem die von extremistischen Ideen inspirierten Einzeltäter. Im Gegensatz zu den klassischen „Schläfern“, zu denen auch die Terrorzelle um Mohammed Atta gerechnet wird, die die Anschläge am 11. September 2001 verübte, sind solche Täter nicht in Netzwerke eingebunden. Sie verfügen in der Regel über deutlich weniger Möglichkeiten. Das erhöht gleichzeitig die Gefahr, dass sie sogenannte weiche Ziele wie Volksfeste oder Sportveranstaltungen, aber auch innerstädtische Bereiche, an denen sich viele Menschen aufhalten, als Ort für Anschläge auswählen. Diese fanatisierten Einzeltäter fürchtet Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). Gegen Terrorkommandos, die auf Helfer, Logistik und Fahrzeuge angewiesen sind, seien die Behörden gut gewappnet. Bei solchen Gruppierungen entstünden viele Spuren, die als Ermittlungsansätze dienen.

Eine Bombe wie in Boston zu bauen, sei auch in Deutschland, obwohl wegen der Waffengesetze die Verfügbarkeit bestimmter Explosivstoffe deutlich geringer ist, möglich. „Alle nötigen Zutaten sind auch hier zu bekommen. Das Entdeckungsrisiko ist niedrig“, so ein Ermittler. So sei es ein glücklicher Zufall, dass die Deutschen einen solchen Anschlag wie Boston noch nicht erlebt haben. 2007 wurden jedoch die Sauerlandbomber verhaftet. Die vier Islamisten hatten Attentate auf US-Einrichtungen vorbereitet.