Devotionalien

Aufregung um rechte Souvenirs in Bundeswehr-Krankenhaus

Im Berliner Bundeswehrkrankenhaus, sind rechte Souvenirs angeboten worden. Die Klinikleitung forderte den Kioskbesitzer schon 2012 auf, dies zu stoppen. Nun soll es das Angebot nie gegeben haben.

Foto: Steffen Kugler / picture-alliance/ dpa

Im Bundeswehrkrankenhaus an der Scharnhorststraße in Mitte gibt es in diesen Tagen erhebliche Irritationen. Den Grund dafür lieferte der Kiosk im Foyer, der neben einem Grundsortiment für Patienten und Besucher offenbar auch Souvenirs mit eigenartig anmutenden Aufschriften verkauft hat: „Klagt nicht, kämpft“ , „Lernen durch Schmerz“ oder „hart und zäh“ war dort zu lesen. Solche Parolen kursieren in der rechtsextremen Szene. Die „BZ“ hatte am Donnerstag über die Souvenirs, die sie in einer Vitrine am Krankenhauseingang gesehen hat und die Assoziationen an die Deutsche Wehrmacht und die NS-Zeit wecken, berichtet. Nur einen Tag später ist in der Vitrine keine Spur mehr von solchen Produkten mit auffälliger Frakturschrift.

Laut einem Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr gab es ein Gespräch zwischen der Krankenhausleitung und dem Kioskbesitzer, woraufhin die fragwürdig bestickten Schlüsselanhänger und Landser-Feuerzeuge entfernt wurden. Bereits im vergangenen Jahr habe die Leitung der Klinik den Kioskbetreiber darauf hingewiesen, jene kritisierten Artikel zu streichen und sich auf den reglementierten Grundbedarf im Sortiment zu konzentrieren. Doch die umstrittenen Produkte blieben.

Artikel müssten geduldet werden

Die Leitung des Krankenhauses ließ nach Angaben des Sprechers prüfen, ob es rechtens sei, diese Devotionalien anzubieten. Leider müsse man solche Artikel nach richterlichem Urteil dulden. Eine verfassungsfeindliche Grundhaltung kann man ihnen offenkundig nicht unterstellen. Soweit die rechtliche Dimension. Der Fall werde in nächster Zeit vermutlich noch ministeriell geprüft, so der Vertreter des Sanitätsdienstes.

Das Verteidigungsministerium war von den aktuellen Vorwürfen überrascht, dort habe man nichts von solchen Verkäufen gewusst. Persönlichen Einschätzungen der Krankenhausleitung zufolge, habe der Betreiber des Kiosks keine rechtsextremen Ambitionen. Wieso er trotzdem solche Produkte verkaufen würde? „Im Vordergrund steht vermutlich der Umsatz“, sagt der Sanitätsdienst-Sprecher. Sowohl Käufer als auch Verkäufer würden wohl in der Mehrheit gar nicht wissen, was die Sprüche bedeuten.

Nun gibt es Teddybären in Uniform

Neben Duschgel und Zahnbürsten liegt nunmehr ein Sortiment aus Teddybären in Bundeswehruniform und Portemonnaies ohne Schriftzug in der Vitrine. Lediglich zwei Schlüsselanhänger mit Stickerei sind geblieben. Darauf ist zu lesen: „Wenn man keine Ahnung hat“ und „Sanitäter“. Während die „BZ“ in ihrer Donnerstagausgabe noch eine der Kiosk-Aushilfen zitiert, sie würden mit den Bestellungen nach den umstrittenen Souvenirs kaum nachkommen, wollte am Donnerstag im Kiosk niemand mehr etwas davon wissen. „Es hat nie andere Produkte als die jetzt ausgelegten gegeben“, sagte eine Mitarbeiterin der Berliner Morgenpost. „Zeitung und Wahrheit sind zwei verschiedene Spieße“, meinte sie zu dem ersten Bericht. Ansonsten wolle sie „in Ruhe gelassen werden“.

Der Kiosk wird von einem externen Besitzer betrieben. Er gehört zum „Betreuungsmittel der Bundeswehr“ und muss zu festgelegten Preisen einen Grundbedarf wie Getränke, Zeitungen und belegte Brötchen abdecken. Mit zusätzlichen Angeboten kann er sein Sortiment aber beliebig ergänzen. Wer der Chef des Shops im Foyer des Krankenhauses sei, wollte am Donnerstag niemand sagen. „Der ist nicht da“, so die knappe Antwort einer Aushilfe. Auch eine Angestellte des Krankenhauses am Informationsschalter konnte dazu keinerlei Auskunft geben.