Forsa-Erhebung

Drei Viertel der Deutschen für Gleichstellung der Homo-Ehe

Drei von vier Bürgern würden laut einer Umfrage die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der traditionellen Ehe begrüßen.

Foto: Etienne Laurent / dpa

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Erhebung für das Magazin „Stern“ treten selbst rund zwei Drittel der Unionswähler (64 Prozent) für eine völlige Gleichstellung ein. Unter allen Befragten sprechen sich 23 Prozent dagegen aus, 3 Prozent sind unentschieden.

Am stärksten befürworten Wähler der Grünen (86 Prozent) und der SPD (82 Prozent) die Gleichstellung. Aber auch die Sympathisanten der FDP (71 Prozent) und der Linken (70 Prozent) sind mit großer Mehrheit dafür.

Thema Homo-Ehe entzweit die Union

Besonders heftig wird derzeit in der Union über das Thema gestritten. Vertreter des konservativen Flügels und der CSU lehnen es strikt ab, etwa das steuerliche Ehegattensplitting auf Lebenspartnerschaften auszuweiten.

Die CDU-Spitze plant einem Bericht zufolge die vollständige Freigabe von Adoptionen durch Paare in eingetragenen Partnerschaften. Wie die „Bild“-Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe unter Berufung auf eigene Informationen berichtet, soll nach dem Willen von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe noch vor der Sommerpause ein Gesetzesvorstoß zur Gleichstellung von homosexuellen Paaren bei der Adoption auf den Weg gebracht werden.

Auch Kanzlerin Angela Merkel und Unionsfraktionschef Volker Kauder (beide CDU) seien eingeweiht, hieß es demnach in Unionskreisen.

Gruß: „endlich die Lebensrealitäten in Deutschland anerkennen“

Das Bundesverfassungsgericht hatte in der vergangenen Woche die Rechte homosexueller Paare zur Adoption von Kindern zwar ausgeweitet. Demzufolge dürfen Schwule und Lesben, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, auch ein von ihrem Partner zuvor angenommenes Kind adoptieren.

Ein Recht zur gemeinsamen Adoption eines Kindes durch Paare in eingetragenen homosexuellen Partnerschaften gibt es bislang aber nicht.

Die FDP-Familienpolitikerin Miriam Gruß sagte unterdessen der Zeitung „Die Welt“ vom Mittwoch, CDU und CSU müssten „endlich die Lebensrealitäten in Deutschland anerkennen“ und drängte den Koalitionspartner auch zur steuerlichen Gleichstellung der Homo-Ehe mit der traditionellen Ehe. „Eingetragene Lebenspartner übernehmen die gleiche Verantwortung füreinander wie Eheleute“, sagte sie. Daher müssten sie „endlich auch die gleichen Rechte bekommen und beispielsweise im Steuerrecht gleichgestellt werden“.

Lieberknecht gegen eine Freigabe des vollen Adoptionsrechts

Auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sprach sich für eine Anpassung des Steuerrechts aus. Die Urteile des Verfassungsgerichts gingen eindeutig „in die Richtung einer Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft“, sagte sie der „Thüringer Allgemeinen“ vom Mittwoch.

Die Gesellschaft verändere sich an dieser Stelle. Sie wandte sich aber gegen eine Freigabe des vollen Adoptionsrechts. „Es geht um das Kindeswohl, und ein Kind braucht von seiner Veranlagung her einen Vater und eine Mutter“, sagte Lieberknecht der Zeitung.