Parteivorsitz

Roth will wegen „Candystorm” Grünen-Chefin bleiben

Auch nach der „Klatsche” bei der Urwahl will Claudia Roth als Vorsitzende bestätigt werden. Grund ist auch der Zuspruch aus dem Netz.

Grünen-Chefin Claudia Roth will wieder für den Vorsitz der Partei kandidieren. Trotz ihres schlechten Abschneidens bei der Urwahl der Grünen will sie bei dem Parteitag Ende der Woche in Hannover erneut als Vorsitzende kandidieren, sagte Roth am Montag in Berlin.

Sie werde ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz ihrer Partei nicht zurückziehen, kündigte die 57-Jährige am Montag in Berlin an. „Es geht in erster Linie nicht um mich und es geht in erster Linie nicht um meine Enttäuschung“, sagte Roth. Es gehe „um etwas Wichtigeres: Es geht um die Ablösung von Schwarz-Gelb, es geht um ein starkes grünes Ergebnis bei dieser wichtigen Bundestagswahl“. Die Grünen wählen am kommenden Wochenende auf einem Parteitag in Hannover einen neuen Bundesvorstand.

Roth kommentierte die Schlappe nur auf Facebook

Roth war bei der Urwahl, die sie maßgeblich vorangetrieben hatte, nur auf Rang vier gelandet. Die Grünen-Chefin hatte damit mit nur 26,2 Prozent am schlechtesten von den vier bekannten Bewerbern abgeschnitten. Gewählt worden waren Fraktionschef Jürgen Trittin mit 71,9 Prozent der Stimmen und Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt mit 47,3 Prozent, Co-Fraktionschefin Renate Künast hatte 38,6 Prozent erhalten.

Nachdem sich Roth am Wochenende außer mit einem Facebook-Eintrag nicht zum Ausgang der Urwahl geäußert hatte, waren Spekulationen aufgekommen, dass sie einen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erwägt. Ende Oktober hatte sie noch erklärt, unabhängig von dem Ergebnis der Basisbefragung wieder als Parteichefin anzutreten. Roth hat seit 2001 mit einer Unterbrechung den Parteivorsitz inne.

Claudia Roth hält an Urwahl fest

Roth sagte, ihr Ergebnis sei für sie „eine herbe Klatsche“ und „auch eine herbe Enttäuschung“ gewesen. Sie müsse sich „natürlich die Frage stellen, ob für das Amt der Parteivorsitzenden in der Partei noch das nötige Vertrauen für mich da ist“. Sie betonte, am Wochenende habe sie viel Zuspruch aus der Partei erreicht.

Tatsächlich war im Internet ein sogenannter Candystorm losgebrochen – das Gegenteil eines „Shitstorms”. Währen bei letzterem Menschen vor allem beschimpft werden, versuchen die Nutzer bei einem Candystorm, den Betroffenen zu ermuntern und aufzurichten. Roth sagte am Montag, der „Candystorm“ habe sie „besonders berührt“ und zu ihrer Entscheidung für eine neuerliche Kandidatur als Parteichefin beigetragen. Hunderte E-Mails hätten sie erreicht, während sie über ihre politische Zukunft grübelte. Der „Candystorm“ habe „eine Vielzahl an Zuspruch, eine Vielzahl an Unterstützung“ enthalten, sagte Roth gerührt. Im politischen Berlin ist das Phänomen „Candystorm“ so unbekannt, dass einige Journalisten sich verhörten und zunächst von einem „Handy-Storm“ berichteten, der die Spitzengrüne umweht habe.

Die Parteivorsitzende fügte hinzu, trotz ihrer Schlappe würde sie „immer wieder für eine Urwahl eintreten“. Bei der Mitgliederbefragung hatten sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt durchgesetzt.

Roth hatte nach ihrem schwachen Abschneiden bei der Urwahl der Grünen-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl einen Rückzug von der Parteispitze erwogen. Zweifel hätten sie „durchgerüttelt“, sagte sie.

Trittin - Roth ist „wichtig für unseren Wahlkampf“

Auch führende Grünen-Politiker forderten Roth jedoch auf, weiter zu machen, darunter die beiden Spitzenkandidaten Trittin und Göring-Eckardt.

Der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat es begrüßt, dass Claudia Roth Parteivorsitzende bleiben will. Roth habe die Grünen in vielen schwierigen Fragen immer wieder in der Mitte zusammengeführt, sagte Trittin am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“. Dass sie diese Arbeit fortsetzen könne, sei „wichtig für unseren Wahlkampf“.

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