Kanzlerkandidat

Steinbrück soll zwei Millionen Euro nebenbei verdient haben

Der SPD-Kandidat im Kreuzfeuer der Kritik: Allein mit Buchhonoraren soll er mindestens 500.000 Euro eingenommen haben.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat nach Medienberichten in dieser Wahlperiode (seit 2009) Nebeneinkünfte von rund zwei Millionen Euro erzielt. Steinbrück hatte 1,25 Millionen Euro angegeben, was aber lediglich Honorare für seine Vorträge sind. Dazu kämen noch Buchhonorare von mindestens einer halben Million Euro, schreiben das Magazin „Focus“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS).

Nach „Focus“-Informationen kommen zu dem Nebenverdienst noch 115.000 Euro hinzu, die Steinbrück bereits als Vergütung für sein Aufsichtsratsmandat beim Stahlkonzern ThyssenKrupp erhalten habe. Noch ausstehend sei ein Betrag von rund 65.000 Euro, der Steinbrück für das abgeschlossene Geschäftsjahr zustehe.

Zudem habe er eine fünfstellige Summe für ein Interview im Geschäftsbericht des Baukonzerns Bilfinger Berger erhalten. Das Honorar will er nicht offenlegen, da es sich nicht um einen Vortrag gehandelt habe, sagte ein SPD-Sprecher dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Bei den Buchhonoraren hatte Steinbrück argumentiert, dass man ihm in diesem Bereich keine Abhängigkeiten unterstellen könne.

SPD-Chef Gabriel: „Da gibt es keine Geheimnisse“

Nach Berechnungen des „Focus“ erhielt Steinbrück allein für sein Erstlingswerk „Unterm Strich“ eine halbe Million Euro. Für das Buch „Zug um Zug“ habe der Verlag mehr als 100.000 Euro gezahlt, die sich Steinbrück mit dem Co-Autoren Helmut Schmidt teile. Die „FAS“ rechnet etwas anders und kommt auf 300.000 Euro für „Unterm Strich“ und rund 180.000 Euro für „Zug um Zug“.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel verteidigte Steinbrücks Weigerung, die Buchentgelte offenzulegen. „Wenn Politiker Bücher schreiben, kann jeder ganz leicht sehen, wofür das Honorar überwiesen wird und ob es Abhängigkeiten gibt. Da gibt es keine Geheimnisse“, sagte er der „FAS“. Er kündigte eine Neuregelung an. „Wenn wir ab dem nächsten Jahr wieder regieren, werden wir beschließen, dass alle Einkünfte von Abgeordneten im Bundestag auf Euro und Cent veröffentlicht werden.“

Zugleich bekräftigte er seine Forderung, Politiker von Union und FDP müssten ihre Einkünfte ebenfalls veröffentlichen. „Peer Steinbrück hat seine Nebeneinkünfte auf Euro und Cent offengelegt. Jetzt müssen Union und FDP die Maßstäbe, die sie für Herrn Steinbrück angelegt sehen wollten, auch für sich gelten lassen und genau sagen, was sie selbst verdienen“, sagte er. Er kündigte an, dass die SPD nach der Bundestagswahl eine Regelung auf den Weg bringen wolle, wonach alle Abgeordneten im Bundestag ihre Einkünfte auf Euro und Cent offenlegen müssten.

Diskussion um „fehlendes Fingerspitzengefühl“

Die Parteilinke sieht die Debatte über Steinbrück kritisch. „Wenn sich die SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit mit so einer Debatte herumschlagen muss, dann ist das für uns natürlich schwierig“, sagte die Vorsitzende der Demokratischen Linken in der SPD, Hilde Mattheis, dem „Focus“. Die baden-württembergische SPD-Vize Leni Breymaier vermisst Fingerspitzengefühl bei Steinbrück. „Ich finde, es gehört sich nicht“, sagte die Verdi-Landeschefin.

Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin ließ im SWR Kritik an Steinbrück anklingen: „Man sollte schon darauf achten, dass die Diäten nicht zu Nebeneinkünften werden.“

Umfrage sieht Amtsinhaberin Merkel vorne

Nach einer Emnid-Umfrage kann Steinbrück in Sachen Popularität nicht mit Merkel mithalten. Die Bundesbürger hielten die CDU-Chefin für sympathischer, durchsetzungsfähiger und glaubwürdiger als Steinbrück, berichtete der „Focus“. Vor allem bei den Frauen komme Merkel besser weg als Steinbrück.

Wollten Ende September im Fall einer Direktwahl noch 46 Prozent der Befragten für Merkel und 37 Prozent für Steinbrück stimmen, wollen der aktuellen Emnid-Umfrage zufolge 51 Prozent der CDU-Chefin und 26 Prozent dem SPD-Politiker ihre Stimme geben. Im Osten kann Merkel mit 60 Prozent, Steinbrück nur mit 18 Prozent rechnen.