Gesundheitsfonds

Gesetzliche Krankenkassen horten Rekordreserve

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Foto: Arno Burgi / dpa

Die Milliarden-Rücklagen der Kassen steigen weiter. Erste Kassen erstatten nun Geld. Und die Praxisgebühr steht erneut zur Debatte.

Die Reserven in der gesetzlichen Krankenversicherung steuern auf einen neuen Rekord von weit über 20 Milliarden Euro zu. So steigt die Rücklage des Gesundheitsfonds, der Geldsammelstelle der Krankenkassen, bis Ende kommenden Jahres voraussichtlich auf mehr als 14 Milliarden Euro. Das geht aus der offiziellen Schätzung hervor, die das Bundesversicherungsamt am Donnerstag in Bonn veröffentlichte.

Die einzelnen Krankenkassen haben überdies zum Ende des ersten Halbjahrs Reserven von 12,8 Milliarden Euro angehäuft. Diese dürften nach Angaben aus Kassenkreisen in den kommenden Monaten auch nicht deutlich abschmelzen.

Nach der Prognose der Schätzer verbucht der Fonds 2012 auf 188,7 Milliarden Euro steigende Einnahmen und einen Überschuss von rund 3,2 Milliarden Euro. Für kommendes Jahr werden die Einnahmen auf 191,8 Milliarden Euro geschätzt. Die voraussichtlichen Ausgaben der Krankenkassen betragen 190,2 Milliarden Euro, so dass rechnerisch abermals rund 1,6 Milliarden Euro bleiben. Bereits Ende 2011 wies der Gesundheitsfonds eine Liquiditätsreserve von rund 9,5 Milliarden Euro aus. Dies ergibt insgesamt ein erwartetes Finanzpolster des Fonds von mehr als 14 Milliarden Euro.

Erste Kassen erstatten Geld zurück

Die ersten Kassen erstatten nun die Praxisgebühr. Nach der Techniker Krankenkasse will auch die KKH Allianz ihren Versicherten Geld zurückzahlen. Ab dem kommenden Jahr sollen sie die Praxisgebühr erstattet bekommen, erklärte der Vorstandschef der KKH-Allianz, Ingo Kailuweit, am Donnerstag in Hannover. Mitglieder der Krankenkasse IKK gesund plus müssen ab 1. Januar 2013 überhaupt keine Praxisgebühr mehr zahlen.

Bahr nimmt neuen Anlauf zur Abschaffung der Praxisgebühr

Angesichts der Milliardenüberschüsse startete Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) einen neuen Vorstoß zur kompletten Abschaffung der Praxisgebühr. Die Überschüsse hätten ein Maß angenommen, das einen Verzicht auf die „unsinnige Praxisgebühr“ rechtfertige, sagte Bahr am Donnerstag in München. „Wir können uns das leisten.“ Ein Verzicht auf die 10-Euro Gebühr pro Quartal würde laut Bahr zwei Milliarden Euro kosten. Die FDP werde das erneut zum Thema im Koalitionsausschuss machen.

Eine Senkung der Krankenkassenbeiträge lehnte Bahr ab. Es sei nicht richtig, wenn man beim Beitragssatz immer rauf und runter gehe. Und eine minimale Senkung würden Menschen kaum spüren. „Aber wenn die zehn Euro beim Arztbesuch wegfallen, das erleben die Bürger wirklich“, sagte er. „Ich glaube, dass die Versicherten und Patienten am meisten profitieren würden, wenn die Praxisgebühr wegfiele.“

( dpa/dpad/ap )

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