Wiederwahl

Alternder Mißfelder führt auch weiterhin Junge Union

Philipp Mißfelder ist als Bundesvorsitzender der Nachwuchsorganisation JU wiedergewählt worden. Doch bald ist er zu alt für den Posten.

Foto: Nigel Treblin / dapd

Philipp Mißfelder ist im Stress. Gerade kommt der 33-Jährige von der Rede der Kanzlerin zum Europäischen Stabilitätsmechanismus. Im Abgeordnetenrestaurant des Bundestags bestellt er sich einen Cappuccino – „aber einen großen bitte“, in einer guten halben Stunde steht der nächste Termin an. Als Berufspolitiker, der er im Grunde schon immer ist, ist der Kalender täglich prall gefüllt.

Schon seit 2002 ist er Vorsitzender der Jungen Union (JU), seit sieben Jahren Mitglied des Bundestags. Ans Aufgeben der Doppelrolle, die seinen Einfluss erhöht, denkt Mißfelder noch nicht. Auf dem Deutschlandtag in Rostock an diesem Wochenende kandidierte er erneut für den Vorsitz, wenn auch zum letzten Mal – mit 35, so sagen es die Statuten, ist man nämlich zu alt für einen Jugendverband; so lange also wird er weitermachen.

Und er wurde am Freitagabend auch klar wiedergewählt – mit 86,5 Prozent. Konkurrenz hatte sich mal wieder nicht angemeldet. Bei der vergangenen Wahl holte er rund 77 Prozent der Delegiertenstimmen. „Ich möchte mein Bestes geben, um die Junge Union in einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf zu führen“, sagte er bei seiner Wahl. Er wolle mit der Nachwuchsorganisation als „Speerspitze der Unionsparteien“ im kommenden Jahr aktiv Wahlkampf betreiben, betonte Mißfelder. Eine bessere Koalition als Schwarz-Gelb könne er sich nicht vorstellen. „Wir werben dafür, dass Angela Merkel Deutschland weiterhin sicher durch die Krise führt,“ sagte der 33-Jährige.

Aufmerksamkeit durch Hüftprothesen

Allein durch seine Größe und Statur ist Mißfelder präsent, Aufmerksamkeit und Empörung brachten ihm einst vor allem seine Äußerungen zu Hüftprothesen und Hartz IV.

Angesprochen auf den Aufruhr, den er vor knapp zehn Jahren mit dem Satz: „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“, verursachte, überzieht ein schelmisches Grinsen das jungenhafte Gesicht des früh erwachsen Gewordenen. Immer noch muss er sich dafür rechtfertigen, und er gibt sich scheinbar stolz darauf, welche Debatte er so losgetreten hatte: „Das Thema Generationengerechtigkeit haben wir nach vorne gebracht“, sagt Missfelder.

Er schlägt die Beine übereinander, verschränkt die Arme. Mit „wir“ meint er die Junge Union. Aber ist ein 33 Jahre alter Familienvater auch ein glaubwürdiges Sprachrohr für das 14 Jahre alte Neumitglied? Die Frage kann man stellen, auch wenn Sascha Vogt (32, Jusos) und Lasse Becker (29, JuLis) ihm altersmäßig ähneln: Beide sind nach langjährigen vorherigen Ämtern auf Kreis- und Landesebene eben doch erst zwei oder drei Jahre im Bundesvorstand ihrer Verbände. Und Sina Doughan von den Grünen ist ohnehin erst 24. Andererseits hat die Grüne Jugend weniger politisches Gewicht als die Junge Union.

Mißfelder sieht die JU in erster Linie als Nachwuchsreservoir der CDU und „loyalsten Wahlkampfträger“ der Partei, wie er sagt. Dass er das ernst meint, demonstrierte er am Freitag auch wieder in Rostock, als er für eine Fortführung der Koalition mit der FDP nach der nächsten Wahl warb. Die Liberalen seien zwar aktuell bei vielen JUlern „nicht besonders beliebt“. Aber die meisten wünschten sich eine „erfolgreiche“ schwarz-gelbe Koalition.

Die Junge Union ist in diesem Jahr 65 Jahre alt geworden. Mit rund 122.00 Mitgliedern ist sie die größte politische Nachwuchsorganisation Deutschlands.

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