Tag der Einheit

Wowereit mahnt Gerechtigkeit in Deutschland an

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Berlins Regierungschef beklagt Ungerechtigkeiten. Bayerns Ministerpräsident fordert die Deutschen auf, stolz auf ihr Land zu sein.

Zum Tag der Deutschen Einheit hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) 22 Jahre nach der Vereinigung ein Gerechtigkeitsproblem beklagt. Bei der Angleichung der Renten zwischen Ost und West etwa sei Deutschland immer noch nicht entscheidend vorangekommen, sagte Wowereit am Dienstag nach schriftlich verbreiteten Auszügen aus seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche. „Wie lange soll es noch Sonderregelungen geben? Dies verstehen die Menschen nicht. Hier muss sich was ändern (...).“

In der Rede für die Feierstunde „Reden an die Deutsche Nation“ in Frankfurt beklagte der Regierungschef weiter, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in ganz Deutschland weiter öffne. „Ja, wir haben ein Gerechtigkeitsproblem. Nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa.“

An diesem Mittwoch wird der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Die zentralen Veranstaltungen finden in diesem Jahr in München statt. Bayern ist Gastgeber, weil das Land in diesem Jahr den Vorsitz des Bundesrats innehat. Am 1. November übernimmt Baden-Württemberg turnusgemäß diesen Vorsitz.

Seehofer ruft Deutsche zu Stolz aufs Vaterland auf

Mit einem patriotischen Aufruf hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit eröffnet. „Wir in Deutschland können stolz sein auf unser Vaterland“, sagte der amtierende Bundesratspräsident am Dienstag zum Auftakt eines zweitägigen Bürgerfestes in der Münchner Innenstadt. „Wir können, glaube ich, stolz sein, was in den letzten 22 Jahren nach der Wiedervereinigung geleistet wurde.“ Deutschland sei in der ganzen Welt „ein sympathischer, geachteter Partner“.

Höhepunkt der Feierlichkeiten sind an diesem Mittwoch ein ökumenischer Gottesdienst und ein Festakt mit der gesamten politischen Spitze Deutschlands. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden dazu erwartet. Die Festrede hält Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Seehofer würdigte die große Leistungsfähigkeit des wieder zusammengewachsenen Landes. Es sei „ein sehr starkes Deutschland entstanden, das zusammenhält“. „Wir sind eine Gemeinschaft, eine Einheit.“ Eine Mauer in den Köpfen der Menschen sehe er „überhaupt nicht mehr“, sagte Seehofer auf eine entsprechende Frage.

Zugleich lobte der Ministerpräsident, die Menschen in den neuen Bundesländern hätten in den vergangenen 22 Jahren eine „gewaltige Leistung erbracht“. „Sie mussten sich ja weitaus mehr anpassen als wir im ehemaligen Westdeutschland.“ Andererseits hätten aber auch die Menschen in den alten Bundesländern sehr viel Solidarität gezeigt.

Deutsche sollen 3. Oktober feiern

Seehofer rief die Bürger in Deutschland auf, den 3. Oktober zu feiern: „Das Allerwichtigste an diesen Feierlichkeiten ist, dass die Bürger diesen 3. Oktober zu ihrem nationalen Feiertag mit frohem Herzen machen – dass man mal einen Tag nicht jammert, nicht nölt, sondern sich freut über die Lage unseres Landes.“

Den Fall der Mauer im November 1989 nannte Seehofer „den wichtigsten und fröhlichsten Zeitpunkt in der Nachkriegsgeschichte für uns Deutsche“. Man habe ja damals nicht geglaubt, dass Mauer und Stacheldraht einmal der Vergangenheit angehören würden. „Ich glaubte auch nicht, dass ich das noch erleben darf“, sagte der CSU-Chef.

( dpa/sei )

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